„Endlich kommt jemand und macht etwas!“

Kinder gegen häusliche Gewalt stärken

Wissenschaftliche Grundlagen
Die Notwendigkeit schulischer Prävention lässt sich aus wissenschaftlichen Ergebnissen ableiten, die belegen, dass zwischen 10 und 30 Prozent der Kinder im Verlauf ihres Kindes- und Jugendalters in unterschiedlicher Dauer, Schwere und Intensität Gewalt in der Elternbeziehung miterleben. Das zeigt, dass häusliche Gewalt „kein reines Erwachsenenthema“ ist, sondern Kinder und Jugendliche mehr über häusliche Gewalt wissen als Erwachsene denken.

„Die Schläge, die meine Mama bekam, spürte ich in meinem Bauch von einem hin und her Zerren … das machte mich traurig, und [ich] bekam Angst. Mein Bauch hatte Angst, manchmal hatte er um meine Mama Angst, manchmal sogar hatte ich um meinen Vater Angst. Dass er nicht weiß, was er tut“.
— Amela, 12 Jahre (aus „In meinem Bauch zittert alles“. Philomena Strasser

Eine Gesamtkonzeption

Diese Tatsache verdeutlicht, wie wichtig es ist, Mädchen und Buben darin zu stärken, sich gegenüber Gewalt zu schützen und konfliktlösungsorientierte Handlungsmuster zu erlernen. Dazu brauchen sie auch Angebote außerhalb der Familie, möglichst an den Orten, an denen sie sich regelmäßig aufhalten, eben an Schulen.

Wenn das Ziel universeller und selektiver Prävention verfolgt werden soll, Kinder möglichst früh über „Schieflagen“ in Elternbeziehungen zu informieren und ihnen alters- und situationsangepasste Handlungsstrategien zu vermitteln, dann gerät unweigerlich die Schule als Zugang zur Zielgruppe von Kindern ins Blickfeld, denn eine wirkungsvolle und nachhaltige Reduzierung von häuslicher Gewalt erfordert eine auf mehreren Elementen basierende Gesamtkonzeption.

„Er hat sie dann auf den Boden geworfen, hat sich auf sie draufgesetzt und hat sie gewürgt und so. Die Mutter ist fast blau angelaufen. Ich bin auf dem Bett gesessen und habe ganz laut geschrien: Hör auf! Und einmal habe ich ihn sogar geschlagen mit der Hand, aber nicht zu fest, weil fester habe ich mich nicht getraut, – so mit der Hand auf den Rücken, so: Hör auf Papa!“
— Daniela, heute 14 Jahre alt (aus „In meinem Bauch zittert alles“. Philomena Strasser

Ausgangslage und Strategien im Zugang zu Schulen
Das Projekt stößt bei den Schulen auf großes Interesse. SchulleiterInnen und PädagogInnen kennen die Problematik von häuslicher Gewalt und stehen dem Projekt nach dem Motto, „Endlich kommt jemand und macht etwas“ sehr positiv gegenüber. 
Dass Gewalt ein „Erwachsenenthema“ kann und darf nicht länger aufrechterhalten werden und dass Schule ein geeigneter Ort für die Präventionsarbeit ist, ist von Studien belegt.

Kinder schätzen es, wenn man mit ihnen über häusliche Gewalt Klartext redet. Klartext mit Kindern zu reden, heißt natürlich nicht, sie mit Informationen abzuspeisen, sondern auch ihr Wissen, woher es auch stammt, aufzugreifen. 

Methoden, Medien und Materialien

Die Methoden, die gewählt werden, um häusliche Gewalt in der Schule umzusetzen, sind vielfältig: Von kurzen Inputs, über Gruppenarbeiten, Rollenspielen, Diskussionen, Zeichnungen, bis zu Geschichten in Wort und Bild, z. B. „Zuhause bei Schulzes“ sowie der Film „Kennst du das auch?“ werden herangezogen, um häusliche Gewalt in seiner Erscheinung sowie die Mitbetroffenheit von Mädchen und Buben zu illustrieren. 

Erfreulich ist, dass die große Mehrheit der Kinder sagen kann, an wen sie sich in einer Situation häuslicher Gewalt wenden würden. Überwiegend würden sie Personen ihrer Familie und ihres näheren sozialen Bezugsrahmens ansprechen. 

Von großer Bedeutung ist natürlich, dass Kinder nicht nur bereit sind, sich an eine Person um Hilfe zu wenden, sondern dass sie in ihrem Umfeld auch wissen, wer eine solche Person sein könnte. 

Einige Kinder nennen als das Wichtigste ganz allgemein den Wissenszuwachs („wir haben viel gelernt“), andere konkretisierten ihre Antworten und streichen hervor, dass sie gelernt haben, was sie tun können, wenn sie in Situationen häuslicher Gewalt geraten, an wen sie sich wenden, mit wem sie reden und von wem sie Hilfe erwarten können und teilweise, wo sich die helfenden Einrichtungen befinden. 

Ziel ist es, dass „Hilfe ein Gesicht bekommt“ und keine abstrakte, anonyme Größe bleibt. 
Das Projekt trifft Kinder mitten in ihrer Lebensrealität und trägt dazu bei, dass diese Mädchen und Buben sich ernst genommen fühlen!

Ablauf

Diese Gewalt-Präventionsmaßnahme ist für alle Volksschulklassen konzipiert. Für die 1. und 2. Klasse jeweils 2×2 Schulstunden und für die 3. und 4. Klasse jeweils 4 Schulstunden.

Wünschenswert ist, dass dieses Gesamtkonzept kein einmaliger Präventionsansatz bleibt, sondern von der 1. bis zur 4. Klasse über vier Jahre angeboten wird, weil die einzelnen Elemente aufeinander aufbauen.

Wünschenswert ist auch, dass im Rahmen dieses universellen und selektiven Präventionskonzeptes zumindest eine Weiterbildung für Pädagoginnen und variable Eltern-Treffs stattfinden.

Kontakt

Günther Ebenschweiger

Günther Ebenschweiger
Tel.: +43 676 4 25 4 25 4
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