24. Februar 2025
Bei Mobbing Klassen- oder Schulwechsel: ja oder nein?

Ich wurde gebeten, diese Frage zu beantworten und werde das versuchen, weil die „blinden Flecken beim Thema Mobbing“, sowohl bei den Eltern, als auch bei (Elementar-)Pädagog:innen – kein klares Ja oder Nein ermöglichen.
Wenn die:der für die Klasse verantwortliche Pädagog:in (und auch die Schulleitung) offen ist, für einen systemischen Präventions- und Interventions-Ansatz, dann ist es möglich, auch ein fortgeschrittenes Mobbing (außer bei einer Manifestationsphase) als dissoziale Wertehaltung gemeinsam mit der Klasse in eine prosoziale Wertehaltung zu reaktivieren; d.h., betroffene Kinder samt Klasse zukünftig zu schützen.
Wenn hier wirklich alle mithelfen, kann und soll das betroffene Kind in der Klasse bleiben. Vor allem deshalb, weil sich diese Schüler:innen bereits Bewältigungsstrategien eingelernt haben und sie bei einem Schulwechsel diese Strategien mitnehmen und in die neue Klasse oder Schule transferieren. Dadurch werden sie zu „komischen“ und „seltsamen“ Kindern (Beschreibung von Kindern) und ziemlich sicher neu zu schweigenden neuen Opfern.
Gleichzeitig werden durch den Klassen- oder Schulwechsel, diese Mädchen und Buben sekundärviktimisiert, d.h. sie werden als Mobbing-Opfer durch das Wechseln nochmals Opfer, während die Mobber:innen unbehelligt bleiben und jetzt mit einem noch strengeren Schweigegebot weiter machen und sich neue Opfer suchen.
Wenn sich Eltern doch entscheiden, dass es zu einem Klassen- oder Schulwechsel kommt, dann
- sollten die Eltern für das Mädchen oder den Buben zur Aufarbeitung des bisherigen Geschehens, eine psychologische oder psychotherapeutische Therapie andenken;
- sollten die Eltern die:den neue:n Klassenlehrer:in auf die Situation vertraulich aufmerksam machen. Allerdings besteht durch die „blinden Flecken bei Mobbing“ hier allerdings die Gefahr, dass das Thema in der Klasse bzw. Schule sofort öffentlich gemacht und das betroffene neue Kind, jetzt erst recht zum Mobbing-Opfer wird und
- sollte die:der neue Klassenlehrer:in zeitgleich ein „Helfersystem“ in der Klasse etablieren (dazu werde ich gesondert berichten)!
LG Günther