15. März 2025

Der vergebliche Wunsch nach Schutz und Hilfe

Es war ein Tag wie viele andere. Mein Smartphone – das ich immer auf lautlos gestellt habe – zeigte mir einen Anruf an. Eine weinende Mutter war dran und das erste das sie sagte war: „Ich weiß, ich habe einen Fehler gemacht und ich habe Sie zu spät angerufen.“

Jetzt erzählte sie mir folgende bewegende und traurige Geschichte: 

„Mein Sohn ist 16 und war bis vor kurzem auf einer HTL eingeschrieben. Ich habe die ganzen Monate nicht bemerkt, wie schlecht es ihm ging, bis er eines Tages nach Hause kam, plötzlich zu weinen begann und zusammenbrach. Ich war überrascht, sehr erschrocken und bekam es gleichzeitig mit der Angst zu tun. Er erzählte mir anschließend, dass er seit Beginn in seiner HTL-Klasse massiv gemobbt wurde, er aber hoffte, dass es aufhört und er mir als alleinerziehende Mutter keine Sorgen machen wollte.

Ich sprach also mit dem Klassenvorstand, der sofort in die Klasse ging und den mobbenden Burschen sagte, sie müssen damit aufhören. Leider war ich so naiv zu glauben, dass das helfen würde; leider wurde es noch schlimmer, doch mein Sohn erzählte mir wochenlang wieder nichts davon, bis er erneut zusammenbrach.

Ich ging also wieder zum Klassenvorstand, der zu mir sagte: „Ich habe schon mit den Burschen geredet, offensichtlich hat es nicht geholfen, vielleicht versuchen Sie es.“ Also ging ich in die Klasse, um meinen Sohn zu beschützen und bat die Burschen, die das taten, meinen Sohn nicht mehr zu mobben und bat die Klasse, ihm zu helfen.

Das Resultat war, dass mein Sohn noch mehr als bisher gehänselt, geschlagen, beleidigt, ausgelacht, ausgeschlossen, geächtet und sein Selbstwert massiv zerstört wurde. Mir blieb in meiner Verzweiflung und als letzte Rettung nur mehr, meinen Sohn aus dieser HTL zu nehmen. 

Ich wollte nichts mehr, als meinen Sohn beschützen und ihm helfen. Durch meine und die Unwissenheit des Klassenvorstandes, haben wir meinem Sohn einen großen seelischen Schaden zugefügt. Ich musste Ihnen das jetzt erzählen und bitte Sie, alles zu unternehmen, dass andere Kinder, Jugendliche und Eltern das nicht erleiden müssen und ihr Einsatz nicht vergeblich bleibt!“

LG Günther