2. März 2025
Schweigen ist nicht neutral

Die vergangene Woche war geprägt von drei Selbstbehauptungs-Trainings in Volkschulen, einem „Achtung!-Mobbing“-Training in einer Fachschule, zwei Eltern-Informations-Abenden und einer Lehrerfortbildung.
Ein Thema ist immer präsent: „Warum schweigen Kinder und Jugendliche über das Thema Mobbing in ihrer Klasse?“, „Warum wenden sie sich nicht an die Klassenlehrerin, an die Klassenvorständin oder den Klassenvorstand?“ und „Warum wenden sie sich auch kaum an die Eltern?“ Es gibt viele Gründe, von denen ich aus meiner Erfahrung einige aufzähle:
Kinder und Jugendliche schweigen, weil …
⭕️ sie beginnend in der Familie und dann im Kindergarten und in der Schulklasse im Zwangskontext leben, aus dem sie nicht entrinnen können;
⭕️ sie Angst haben, dass es durch die emotionale Reaktion der Erwachsenen noch schlimmer wird; ist einer der sehr realen Hauptgründe;
⭕️ sie nicht petzen wollen und nicht wissen, dass das Reden darüber „Hilfe holen“ ist;
⭕️ sie schlechte Rat-Schläge von den Eltern bekommen; wie „Geh ihr oder ihm aus dem Weg!“, „Mach dir nichts draus!“, „Ignoriere das einfach!“, „Schlage zurück!“ oder – was auch meiner Sicht das Schlimmste für die Kinder und Jugendlichen ist – die Eltern sagen vorwurfsvoll: „Warum kommst du erst jetzt zu mir?“ bzw. „Hast du kein Vertrauen zu mir?“;
⭕️ sie mit selbst eingelernten Bewältigungsstrategien versuchen, die Situation selbst zu lösen;
⭕️ sie ihre Eltern schützen wollen, die wie sie sagen: „Schon genug Sorgen haben“;
⭕️ sie den Eltern und Pädagog:innen nicht vertrauen, dass Richtige, richtig zu machen;
⭕️ ihnen von den Mobber:innen mit noch mehr Gewalt gedroht, wenn sie was sagen;
⭕️ sie sich bereits selbst die Schuld daran geben, dass sie das Opfer sind oder
⭕️ sie sich in Selbstverletzung (ab der Volksschule) und Suizidalität flüchten und sich schämen darüber zu reden!
Schweigen ist nicht neutral, denn mit dem Schweigen werden die Mobber:innen und Täter:innen unterstützt und: Schweigen ist keine Stille, im Kopf der betroffenen Kinder und Jugendlichen bleibt es laut!
Meine Bitte an uns alle wäre, mit einem persönlichen „Angebot“, die tausenden still leidenden Kinder und Jugendliche zu motivieren und zu ermutigen, dieses Schweigen zu beenden!
LG Günther