7. März 2025
Wenn der Mensch „ÜBRIG BLEIBT!“

Diese Woche gehe nachdenklich und auch mit Wehmut, Enttäuschung, und leichtem Zorn in das Wochenende. Ich habe mit jungen Menschen – Lehrlingen – gearbeitet, die einen „holprigen Start“ in ihr Privat- und jetzt auch in das Berufsleben haben. Dabei habe ich mich an einen Einsatz vor Jahren erinnert, wo ich ebenfalls mit 22 Mädchen und Burschen als Lehrlinge gearbeitet hatte.
Die Themenfülle veranlasste mich fünf Tage zu je acht Stunden präventiv zu arbeiten und mir wurden auf meine Bitte, zwei Psycholog:innen diese Woche zur Seite gestellt. Das ist wichtig, um jungen Menschen, die plötzlich über Gewalt oder Mobbing zu reden beginnen, helfen zu können.
Diese Woche hatte ich wieder junge Menschen, die keinen leichten Start haben und ich habe sie gefragt: Wurdet ihr schon mal gefragt, wie es dir geht und wie du dich fühlst?; die Antwort war „NEIN“.
Also habe ich nachgefragt: „Wie fühle ich mich, wie geht es mir persönlich?“ Die Note 1 heißt „Sehr gut“, die Note 2 heißt „Gut“, die Note 3 bedeutet „Es gibt in meinem Umfeld Verhalten von Menschen, mit dem ich nicht einverstanden bin“, die Note 4 bedeutet „Ich bin persönlich von einem solchen Verhalten betroffen“ und die Note 5 bedeutet „Ich habe Angst, z.B. vor der Zukunft“.
Die Noten waren erschütternd: 2 x die Note 1, 4 x die Note 2, 6 x die Note 3, 4 x die Note 4 und 4 x die Note 5!
Mein dringender Appell an die Arbeiter- und an die Wirtschaftskammer, an die Firmen, an die Polytechnischen Schulen, an die Berufsschulen, an Lehrlingsausbildner:innen und an die Politiker:innen wäre: Bitte bringt jungen Menschen nicht nur einen Beruf bei, sondern fragt sie auch: „Wie geht es dir, wie fühlst du dich?“, damit diese jungen Menschen mit ihrem Leid nicht „ÜBRIG BLEIBEN“, sondern wir gemeinsam den schweren „Gewalt-Rucksack“ so vieler bearbeiten und diesen Jugendlichen so den Start ins private und berufliche Leben erleichtern können!
LG Günther