2. Juni 2025

Die Rollen im Team

Montags bis freitags arbeite ich systemisch, präventiv und intervenierend mit Kindern und Jugendlichen. Es gibt kaum eine Klasse mehr, in der nicht ein paar „Störer:innen“ sitzen, die tratschen, herausrufen, aufstehen und herumgehen, dauerhaft diskutieren uam.

Die Gründe dafür sind hauptsächlich Unruhe, d.h. Kinder können sich kaum mehr länger konzentrieren und haben eine kaum vorhandene Selbstkontrolle, Ambiguitätstoleranz und Empathiefähigkeit.

Ich erkläre den Schüler:innen, dass die Klasse ein Team mit unterschiedlichen Rollen ist: Beispielsweise Fußball – Tormann, Verteidiger, Mittelfeld, Stürmer. Auch wenn in der Klasse die Rollenverteilung nicht so klar ist, ist die Zusammenarbeit und die Teamfähigkeit entscheidend, für die Klassengemeinschaft, das Wohlbefinden und die Noten für die Mannschaft!

Auch Österreich ist ein Team und wir – die Österreicherinnen und Österreicher – sind leider durch unsere eigene defensive und abhängige Haltung und auch durch die Rollenzuweisung der Politik, mehr zu Zuschauer:innen degradiert.

Was uns im Österreich-Team bei der Politik fehlt, sind ganz besonders die Stürmer:innen. Es gibt zwar viele Verteidiger:innen, die passiv warten bis der Gegner aktiv stürmt, dann zwar reagieren und reparieren, um dann bei einem Tor den „anderen Spieler:innen“ die Schuld geben.

Was diesem Team fehlt, ist die Bereitschaft zur aktiven Veränderung, zur aktiven Prävention und zur aktiven Reflexionsbereitschaft, um für Österreich zu siegen und daher sollten wir über die folgende Geschichte aktiv nachdenken: 

„In den abgelegenen Höhen des Himalayas unterrichtet eine Zen-Meisterin junge Mädchen und eines Tages macht sie einen Ausflug zu einem großen Fluss. Sie setzen sich an dessen steiles Ufer und lauschen dem mächtigen Rauschen. 

Eine der Schülerinnen wird ganz blass und fragt zitternd: „Meisterin, wenn ich in den Fluss fallen würde, müsste ich dann ertrinken?“ „Nein“, antwortet die weise Frau. „Du ertrinkst nicht, wenn du in den Fluss fällst. Du ertrinkst nur, wenn du drinbleibst.“ 

LG Günther