22. Juni 2025

Die soziale Wertschöpfung: eine Vision?

Regelmäßig wird in den Medien in Zusammenhang mit milliarden-/millionenschweren Förderungen durch die Politik von der „Wertschöpfung“ berichtet. Ich erinnere an das „selbstfahrende Auto“, die „Breitband-Milliarde“, die „E-Mobilitäts-Förderungen“ und an „Mega-Veranstaltungen“ und immer steht dabei, wie hoch die wirtschaftliche Wertschöpfung ist.

Was wäre die Vision der sozialen Wertschöpfung?
Für die Gesellschaft – und hier ganz besonders das beziehungsvolle Aufwachsen, für Kinder die emotional verfügbaren Bezugspersonen, das Erlernen von Frustrationstoleranz, Ambiguitätstoleranz, Selbstkontrolle und Empathiefähigkeit, das pro-soziale Verhalten in Gruppen und ganz besonders ein gewaltfreies (Er-)Leben – wäre die soziale Wertschöpfung von zentraler Bedeutung, da sie die physische, psychische, emotionale und kognitive Gesundheit und somit die Resilienz der kleinen und großen Österreicher:innen steigern würde.

„Kundenzufriedenheit“
In meiner systemische Mobbing- und Gewalt-Prävention und -Intervention erkläre ich aus meiner Fortbildung zum Thema Marketing, die Begriffe „A-, B- und C-Kunden“, weil auch in Zwangskontexten – wie beispielsweise einer Schulklasse – die Pädagog:innen sich vorwiegend um die „C-Kunden“, also um Kinder und Jugendliche kümmern, die auffallen, die stören oder die aggressiv und gewalttätig sind.

Es kümmert sich kaum jemand um die Schüler:innen – die A- und B-Kunden –, die empathisch, unterstützend, lehr- und lernwillig, fröhlich, pünktlich, störungs- und gewaltfrei mitarbeiten und so die Klasse stabilisieren und die Zukunft der Kinder und der Gesellschaft stärken.

Eine Politik, die sich nicht nur der Wirtschaft, sondern vor allem den kleinen und großen Österreicher:innen, deren physischer und psychischer Gesundheit, der Gewaltfreiheit und der Zufriedenheit dieses Landes verpflichtet fühlen würde – leider in der Möglichkeitsform –, würde die Grundlage für eine stabile Zukunftsfähigkeit dieses Landes schaffen.

Da diese soziale Wertschöpfung leider noch eine Vision ist, zitiere ich – leicht abgewandelt – zum Schluss Georg Bernard Shaw, der sagte: „Die besten Politiker:innen, die die Welt je gesehen hätte, wären jene, die bei sich selber anfangen!“

LG Günther