28. Juni 2025

Tarn- und Schutzmodus

Der Mobbingfall an der HTL Vöcklabruck zeigt deutlich die unglaublichen Präventions-Defizite und -Schwachstellen im österreichischen Bildungssystem. Um Kinder und Jugendliche in Zukunft vor Mobbing zu schützen, werden wir in Zukunft auch über Organhaftungen der Minister:innen, der Landesrät:innen und weitere reden müssen.

In den Medien konnte ich folgenden Satz lesen: „Niemand habe Anzeichen für Mobbing gesehen, es dürfte aber schon eine Weile im Gange sein.“ Es ist erschütternd zu lesen, dass es im Bildungsbereich so wenig Wissen über das phasenorientierte und gruppendynamische Gewaltphänomen Mobbing gibt.

Es ist erschütternd, denn JA: „Das Schweigen als Tarn- und Schutzmodus für die a) von Mobbing betroffenen Kindern und Jugendlichen, b) für die zuschauenden Schüler:innen und ganz besonders c) für die Mobber:innen, ist das zentrale Thema dieses gruppendynamischen Prozesses im Zwangskontext einer Schulklasse.

Dieses Schweigen beginnt allerdings schon im Kindergarten, weil Eltern immer weniger aktiv zuhören, „Rat-Schläge“ –  wobei die Betonung auf Schläge liegt – wie „Ignoriere das einfach“ geben, Vorwürfe machen und kaum mehr die emotional verfügbaren Bezugspersonen sind, die Kinder so elementar zur Stärkung brauchen würden. 

Betroffene Kinder erlernen sich in ihrer Hilflosigkeit bereits in der Kindergartengruppe selbst Anpassungs- und Vermeidungsstrategien (Bewältigungsstrategien) an. Wenn diese Kinder dann doch den Mut haben, mit Eltern oder (Elementar-)Pädagog:innen zu reden, wird es sehr häufig noch schlimmer, weil Eltern und Pädagog:innen aus Unwissenheit die Souveränität des eigenen Kindes oder des Mobbing-Opfers zerstören. 

Um Kinder und Jugendliche zu schützen – in beinahe jeder Klasse sitzen ab der Volksschule mittlerweile ein bis drei Mobbing-Opfer – bräuchte es in allen Bundesländern Trainer:innen wie mich, doch seit gut zehn Jahren verweigern die österreichischen Politiker:innen die Unterstützung dafür!

LG Günther