24. Juli 2025
Die Lerche im Kornfeld

In einem großen Kornfeld, mitten unter den schwankenden, grünen Halmen, hatte eine Lerche ihr Nest gebaut. Als die Ähren immer dicker wurden und das Korn höher und höher wuchs, begann sich die Lerche um ihre Jungen zu sorgen.
„Wir werden fortziehen müssen, bevor die Schnitter kommen, mein Nest zerstören und meine Jungen töten.“ Jeden Morgen, wenn die Lerche zur Futtersuche das Nest verließ, befahl sie ihren Jungen genau aufzupassen und ihr alles Gehörte am Abend zu berichten.
Die Lerche war wieder fortgeflogen, da hörten die kleinen Vögel den Bauer sagen: „Es ist Zeit mit der Ernte zu beginnen. Ich will meine Nachbarn um Hilfe bitten.“
Am nächsten Tag hörten die Vögelchen wieder den Bauern am Feldrand reden: „Das Korn ist schon ganz reif, es muss in die Scheune. Ich werde meine Verwandten bitten mit auf den Feldern zu arbeiten.“
Am dritten Tag kam der Bauer und sah besorgt, wie sich die Halme unter den Lasten der schweren Ähren beugten. „Wir dürfen nicht länger warten, wir müssen nun selbst gleich zupacken und uns Erntearbeiter anheuern. Morgen werden wir in aller Frühe beginnen.“
Als die kleinen Lerchen dies der Mutter erzählten, sagte sie: „Nun ist es an der Zeit, wir müssen fortziehen. Wenn ein Bauer seine Arbeit in die eigenen Hände nimmt, statt sich auf andere zu verlassen, so ist davon auszugehen, dass die Arbeit getan wird.“
Die Geschichte – diese stammt von Christian F. Gellert – zeigt auf, dass es gut ist, mit Klugheit zur Selbsthilfe und Tat zu greifen und dass die schlechtesten inneren „Berater“ folgende sind:
▶︎ Erwartungshaltung an andere
▶︎ Ausschließliches Verlassen auf Mitmenschen
▶︎ Warten auf den vermeintlich richtigen Zeitpunkt
Bei meinen Präventionstrainings, frage ich die Teilnehmer:innen: „Was erwarte ich von mir selbst?“, um klarzumachen, dass es eben nicht reicht, nur von anderen etwas zu erwarten!
LG Günther