13. Juli 2025
Redestabritual

Es ist einige Jahr her, da erblickte ich beim Deutschen Präventionstag im Park ein Tipi. Für die, die nicht wissen, was das ist: Es ist die Bezeichnung eines indigenen Kegelzelts Nordamerikas.
Ich bin durch und durch ein sehr interessierter Mensch und daher ging ich zum Zelt und traf Charly, einen deutschen Pädagogen, der mich einlud, an einem Redestabritual teilzunehmen und ich konnte bereits wenig später meine Erfahrungen anwenden.
Eine weinende Mama kontaktierte mich, weil ein Detektiv ihre 12jähriges Tochter bei einem Diebstahl von Stöckelschuhen ertappt hatte. Die Mutter meinte: Hr. Ebenschweiger, jetzt haben wir eine „Kriminelle“ in der Familie!“ und daher bot ich der Familie ein „Redestabritual“ an.
Drei Tage später am Abend, saßen die Eltern und das Mädchen bei mir und ich erklärte ihnen das Redestabritual – d.h. eine(r) redet und die anderen hören zu – und übergab einen Bambusstab, den ich mir besorgt habe, dem Mädchen. Immer wieder von weinen durchbrochen, erzählte es rund eine dreiviertel Stunde lang, wie es ihr geht, was ihr fehlt und vieles mehr. Dann übergab sie den „Redestab“ der Mutter, die ihrerseits etwa eine halbe Stunde, teilweise auch unter Tränen erzählte, was ihr, was der Familie eigentlich fehlt. Zum Schluss bekam der Vater, dem ebenfalls Tränen über die Wangen rannen, dran und er sagt nur: „Hr. Ebenschweiger, in diesen eineinhalb Stunden habe ich mehr über unsere Familie erfahren, als die letzten fünfzehn Jahre davor. Wir werden ab jetzt regelmäßig ein „Redestabritual“ durchführen, damit wir uns alle drei über unsere Gefühle, unsere Wünsche und unsere Träume auf Augenhöhe austauschen können.“
Das Redestabritual ist ein Weg zu einem besseren Sozialverhalten, ein Rezept für die Beziehungspflege und es ist dann ganz einfach, wenn man tatsächlich bereit ist, aktiv zuzuhören und sich auf die Gefühle, Wünsche und Träume anderer einzulassen!
Probiert diese Methode in der Familie, in der Schule … aus und seid geduldig; denn aller Anfang ist schwer!
LG Günther