11. August 2025
Unzufriedenheit durch „Unfreiheit“?

Heute schreibe ich einmal nicht über das Thema Mobbing, sondern über meine Eindrücke bei Prävention von religiöser und politischer Radikalisierung. Ich arbeite mit diesem phänomenübergreifenden Präventionsansatz vorwiegend mit jungen Menschen zwischen 16 und 25 Jahren, die – ich nenne es so – oft durch unterschiedliche Gewaltformen und Vernachlässigung, keinen leichten Start ins Leben haben.
Ich frage sie auch, wie sie sich fühlen, wie es ihnen geht und – leider – schreiben mir zwischen 25 und 30 Prozent der jungen Teilnehmer:innen die Note 5 bei der anonymen Umfrage auf; das heißt: „Ich habe Angst vor der Zukunft!“ und diese Angst löst Unzufriedenheit aus und diese Unzufriedenheit ist oftmals das Grundmotiv für einen Radikalisierungsprozess.
Aber nicht nur diese jungen Menschen sind unzufrieden, sondern auch unglaublich viele Erwachsene aus allen Bereichen und auch hier frage ich mich, woher diese Unzufriedenheit kommt.
Meine Vermutung, die sich in Gesprächen bestätigt, ist, dass kaum mehr Menschen den Mut haben, öffentlich Kritik zu äußern, weil sie vor Repressalien Angst haben. Vor denen sie Angst haben, fürchten sich wiederum bei öffentlicher Kritik vor Repressalien davor „Von jemandem aus Partei und Politik zur Räson gebracht zu werden!“ und so schließt sich der Kreis der „Unfreiheit“.
Ich habe noch aus keinem politischen Büro, aus keiner Partei oder deren Umfeld, öffentlich (Selbst-)Kritik von Mitarbeiter:innen wahrgenommen. Wenn aber konstruktive Kritik – wenn auch unausgesprochen – durch Zensur unterdrückt wird, kann sich auch das Potential der in diesen Systemen unfreien Menschen nicht entfalten und das – und hier schließt sich der Kreis – führt zu dieser persönlichen Unzufriedenheit der jungen und erwachsenen Österreicher:innen.
Wenn wir gemeinsam was (ver-)ändern wollen, müssen wir bei uns selbst beginnen, von der Komfortzone zumindest symbolisch die große Zehe in die Lernzone setzen und uns aus dieser „Unfreiheit“ befreien.
LG Günther