20. September 2025
Kinder brauchen emotional verfügbare Eltern

Ich wurde gebeten, auf folgende Frage zu antworten: „Kindergarten wechseln oder durchhalten? Im Kindergarten von Ellis Tochter (4) gibt es ein Mädchen, das alle anderen schikaniert.“
Durch Erziehungsstile, „Helikopter-Eltern“ und mangelnden Zeitressourcen, erleben schon Kleinkinder durchaus Eltern, die nicht oder zu wenig als emotionale Bezugspersonen zur Verfügung stehen. Solche Kinder sind daher für die folgenden Zwangskontexte (Kindergartengruppe, Schulklasse) zumeist nicht ausreichend vorbereitet.
Kinder deren psychischen Grundbedürfnisse wie Bindung, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Spaß, Macht, … durch die Eltern und Erziehung nicht ausreichend erlernt und erfüllt wurden, erlernen rasch, dass sie sich mit Schupfen, Schlagen, Beleidigen, etwas Wegnehmen oder Kaputtmachen … ihre Unzufriedenheit rasch verbessern und selbstwirksam agieren können.
Umgekehrt sind Kinder mit Eltern, die nicht zuhören, die keine Zeit haben, die schlechte Ratschläge geben, die Vorwürfe machen statt trösten oder nach Schuldigen und nicht nach Lösungen suchen, gezwungen, Bewältigungsstrategien zu erlernen; sie schweigen lieber und leiden massiv unter den Störungen, der Gewalt oder das Mobbing der schikanierenden Kinder.
Daher teilen sich Kinder ab dem Kindergarten – meiner Erfahrung nach – in drei (Re-)Aktions-Gruppen; die Alphas, also Kinder, die mit dissozialen Handlungen rasch Selbstwirksamkeit erlernen; die Omegas, die sich mit Bewältigungsstrategien gegen Gewalt und Mobbing versuchen zu schützen und die Gammas, die Zuschauer:innen, die nicht wissen, wie sie helfen sollen.
Betroffene Kinder (Opfer) aus dem Kindergarten zu nehmen, bedeutet a), dass das Kind „sekundärviktimisiert“ wird, also nochmals Opfer wird, b) das schikanierende Kind, sich ein anderes Opferkind sucht und c) auch die ganze Kindergartengruppe lernt sich „schweigend“ zu verhalten, um nicht selbst Opfer und/oder „verändert“ zu werden.
Für das schikanierende Mädchen und die nicht kooperativen Eltern, bräuchten die Elementarpädagog:innen klare schriftliche und verbindliche Lösungs-Vorgaben und die Übernahme der Verantwortung durch die zuständigen politischen Entscheidungsträger:innen!
LG Günther