12. September 2025
Meine ungeheure Wut im Bauch

Es ist beinahe zehn Jahre her, als ich in einer 2. Klasse Mittelschule saß und fast am Ende des zweitägigen „Achtung-Mobbing!“-Trainings war, als mich der Klassensprecher und andere Schüler:innen baten, noch etwas aufschreiben zu dürfen.
Als dann der Klassensprecher unter Tränen begann vorzulesen, dass sein bester Freund wegen Mobbings Suizid begannen hatte und eine weitere Schülerin unter Tränen vorlas, dass auch ihre beste Freundin wegen Mobbings Suizid begangen hatte, wurde es mucksmäuschenstill in der Klasse und viele Schüler:innen und auch wir begannen zu weinen.
Gestern und heute war ich wegen eines massiven Klassenkonflikts in einer 6. Klasse Gymnasium. Es stellte sich heraus, dass es auch einen Schüler gab, der massiv gemobbt wurde. Ich habe diese dissoziale Situation bereinigt und die Schüler:innen gefragt, ob es eine Schülerin oder einen Schüler gibt, dem Mobbing oder ähnliches früher schon passiert ist.
Es zeigten sofort mehrere Schüler:innen auf und erzählten uns ihr furchtbares Leid im Kindergarten, in der Volksschule und auch in der Unterstufe. Diese Lebensgeschichten waren so emotionalisierend, dass beinahe die ganze Klasse zu weinen begann und wir eine Pause einlegen mussten.
Nach dieser „Entlastungs- und Erleichterungspause“ zeigten zwei weitere Mädchen unter massivem Weinen auf und erzählten uns, dass Mitschüler sie in der Unterstufe sexuell missbraucht hatten und sie deshalb seit Jahren Therapie brauchen, um einigermaßen „(Über-)Leben“ zu können.
Ich weiß nicht, ob sich jemand eine solche Situation in der Realität vorstellen kann. Ich brach das Training ab, um den Jugendlichen, der Klassenvorständin und auch mir die Chance zu geben, diese emotionale Erschütterung zu verarbeiten und zu besprechen.
Meine ungeheure Wut im Bauch richtet sich heute gegen die Politiker:innen und Parteien, die für die vergangenen Wahlen aus dem Budget offensichtlich ohne Skrupel rund 100 Millionen Euro genommen haben, die dann aber für die gewaltfreien Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen kein Geld haben.
LG Günther