7. September 2025
Wenn das nicht aufhört, begehe ich Selbstmord

Zu meiner „Mobbing-Präventions-Beratung“ für Eltern am Freitag passt folgendes Erlebnis, über das ich schon berichtet habe:
Es ist Samstag, so gegen 10:00 Uhr, eine Mutter ruft mich an: „Lieber Hr. Ebenschweiger, ich brauche dringend Ihre Hilfe. Mein Sohn geht in eine 2. Klasse Mittelschule und er hat sich mit der Zeit verändert. Er ist ruhiger und zurückgezogener geworden, bekam kaum Einladungen und saß immer öfter vor dem Computer. Ich fragte ihn praktisch jeden Tag, ob etwas passiert ist und ob es ihm gut geht. Und ich bekam immer die Antwort „Es passt eh alles!!“. Gestern ist mir der Kragen geplatzt und ich habe ihn zwei Stunden lang „befragt“. Plötzlich begann er zu weinen und sagt: „Ich werde seit zwei Jahren gemobbt und wenn das nicht aufhört, begehe ich Selbstmord“. Daher brauche ich dringend Ihre Hilfe.“
Ich war bereits zwei Tage später an der Schule und habe neben diesem Buben auch einem Mädchen in derselben Klasse geholfen und das brutale Mobbing gegen die beiden Jugendlichen kostenlos beendet, weil die Direktorin alles andere als unterstützend war.
Eine Frage, die mir auch bei dieser Beratung gestellt wurde, war: „Wie reagiere ich, wenn mein Kind sagt, ich soll nichts tun, denn dann wird alles noch viel SCHLIMMER?“
Eine solche Reaktion von Kindern und Jugendlichen hat sehr oft eine eigene Wahrnehmung über elterliche Reaktionen und es liegt nun an den Eltern, ihren Kindern diese Angst zu nehmen; dazu müssen Eltern aber die Bereitschaft haben, ihr eigenen Handlungen zu reflektieren.
Kinder erlernen spätestens im Kindergarten, dass Eltern – wenn sie mit einer „unangenehmen Nachricht“ nach Hause kommen – quasi „explodieren“ und sofort durch Handlungen einen vermeintlich Schuldigen suchen, finden und öffentlich kritisieren.
Durch diese Haltung verschlimmert sich die Situation in der Kindergartengruppe oder der Schulklasse sehr oft und Kinder und Jugendliche reden zur ihrer eigenen „Sicherheit“ nicht mehr mit Eltern darüber.
LG Günther