27. Oktober 2025

Respektlos

Wie vorgestern geschrieben, war ich die vergangenen Wochen in der Steiermark, in Niederösterreich und in Oberösterreich mit „Achtung-Mobbing!“-Trainings im Einsatz und überall das gleiche Bild. Schulleiter:innen, Pädagog:innen und Eltern sind an mich per Telefon, per Mail, per SMS und auch per WhatsApp herangetreten, weil sie dringend – „zeitnah“ – eine professionelle Unterstützung bei Mobbing bräuchten.

Ein Beispiel: „Hr. Ebenschweiger, Wir haben als Eltern alles getan, um das Mobbing in unserer Klasse zu beenden. Leider musste jetzt das Opfer die Schule verlassen, weil die Schule kein Verständnis zeigte und das Mädchen psychisch nicht mehr in der Lage war in diese Schule zu gehen. Wir dachten jetzt ist es vorbei, doch wie Sie schon vorhergesagt haben, gibt es schon das nächste Opfer.“

Leider sind meine zeitlichen Ressourcen bis Juli 2026 ziemlich ausgeschöpft, sodass ich nicht mehr allen – auch dringenden – Anfragen nachkommen kann. Auf die Frage: „Hr. Ebenschweiger, warum gibt es nicht mehr Trainer:innen?“ kann ich keine zufriedenstellende Antwort geben. 

Es ist leider so, dass Politik etwas medial „Verkaufbares“ für Wähler:innen und für die Presse braucht, das sich gut und aussagekräftig anhört, auch wenn damit keine Lösungen verbunden sind, wie man an der Entwicklung der letzten Jahrzehnte erkennen kann und daher ist es mit dieser „Brot-und-Spiele-Politik“ auch nicht möglich, Kinder vor Mobbing und Gewalt zu schützen.

Absolut respektlos finde ich aktuell die Haltung der steirischen Landesregierung, die permanent vom Sparen redet, aber nicht davon, dass sie selbst und die Vorgänger:innen dieses Dilemma verursacht haben und sie jetzt bei den Schwächsten unserer Gesellschaft, den Kindern und besonders jenen Kindern, die einen dringenden Förderbedarf haben, durch Sparen beispielsweise bei den Assistenzkräften, ansetzt.

Wenn ich dann noch lese, dass sich die steirischen Parteien für das kommende Jahr 12,5 Millionen Euro „gönnen“, finde ich es respekt-, scham- und herzlos, die seelischen Narben tausender Kinder außer Acht zu lassen und zu verschwiegen.

LG Günther