26. Oktober 2025
Wenn „Lächeln“ weh tut

Ich habe gestern geschrieben, warum Kinder und Jugendliche kaum oder gar nicht mit Erwachsenen reden, wenn sie gemobbt werden. Dieses Schweigen macht es Pädagog:innen und Eltern schwer, es zu bemerken.
Ich weiß am Beginn des Trainings auch nicht, welche gruppendynamischen dissozialen Prozesse in einem Zwangskontext vor sich gehen, und daher braucht es vor allem meine Präsenz, um zu hören, zu sehen und zu spüren, damit ich betroffene Kinder, die als Bewältigungsstrategie lächeln gelernt haben, nicht übersehe, weil das ihnen und auch mir weh tun würde.
Durch die systemische Ist-Zustands-Analyse wird erst klar, wie sich die Rollen Alpha (Mobber:in), Betas (Assistent:innen und Verstärker:innen), Gammas (Zuschauer:innen) und Omegas (von Mobbing betroffene Kinder und Jugendliche) verteilen.
Ob es bereits Mobbingphasen gibt und ob die entscheidenden Punkte erfüllt sind, erfahre ich mit offenen und anonymen Methoden. Wenn ich dann Mobbing entdecke – und das ist bei einer Prävalenzzahl von 11-15 Prozent bis auf wenige Ausnahmen in Klassen Standard –, dann sagen mir Eltern und Pädagog:innen als erstes: „Mit mir hat ja niemand geredet!“
Das klingt manchmal als Vorwurf und als Rechtfertigung, es nicht gewusst zu haben und ist oft begleitet von eigenen Schuldvorwürfen, es nicht bemerkt zu haben und von Ängsten der Pädagog:innen – von Eltern, oder noch schlimmer von den Medien – die Schuld, das Versagen, angelastet zu bekommen.
Wir könnten beeinflussen, dass Kinder durch Mobbing nicht seelisch und körperlich verletzt werden, aber dazu bräuchte es ein ganzheitliches Schutzsystem für so ein komplexes Gewaltphänomen wie Mobbing; doch das gibt es in Österreich (NOCH) nicht!
Was du aber jetzt schon verhindern kannst ist, dass betroffene Kinder und Jugendliche – auch wenn sie „lächeln“ und so tun, als ob sie nicht leiden –, einsame, hilflose und ohnmächtige Opfer bleiben und dabei unterstütze und berate ich dich gerne!
LG Günther