13. Dezember 2025

„…, weil ich mich nutzlos fühle!“

Die letzten Wochen waren – wieder – geprägt, von sehr viel Kinderleid, sei es dadurch, dass die Kinder ausgeschlossen, beleidigt, ausgelacht, missachtet, geschupft, geschlagen, sexuell belästigt oder mitbetroffen von häuslicher Gewalt waren, oder sich nutzlos fühlten.

Es waren Tage, an denen Traurigkeit und Dankbarkeit sich „die Hand reichten“ und dementsprechend unterschiedlich waren auch die Gefühle der Kinder, der Pädagog:innen, der Eltern und auch meine Emotionen.

Ein ganz besonders trauriger Tag war in einer 3. Klasse Volksschule. Es begann mit der Begrüßung, meiner und der Vorstellung der Kinder über unsere Hobbys und einer Geschichte, die ich gerne erzähle, um Kindern den Begriff „Gewaltprävention“ zu benennen und Gewaltformen zu erklären.

Dann folgte eine kurze „Biographiearbeit“, bei der die Kinder erklären können und dürfen, dass sie mutig, abenteuerlustig, stolz, fröhlich, hilfsbereit, sportlich, glücklich oder auch traurig, zornig, wütend, einsam, tolpatschig, … sind.

Als ein achtjähriges Mädchen sich meldete, sagte es: „Mir sind meine Familie und meine Freunde sehr wichtig und – jetzt begann es zu weinen – ich bin sehr traurig und einsam, weil ich mich nutzlos fühle!“ Jetzt begann die ganze Klasse zu weinen und wir mussten das Training unterbrechen.

Das Mädchen war aber auch sehr mutig, weil es mit der Klassenlehrerin und mir dazu sprechen wollte und uns in der Pause ihre ganze traurige Lebensgeschichte, die von ausgeschlossen, unbeachtet und einsam sein handelte, berichtete.

Wie sehr aber die Gefühle Traurigkeit und Dankbarkeit parallel bestehen können, zeigte sich am Schluss des Trainings. Plötzlich stand dieses Mädchen vor mir, reichte mir die Hand und sagte: „Lieber Günther, ich möchte dich loben, dass du uns so viel beigebracht hast!“

LG Günther