18. Januar 2026
Cybermobbing verstehen: Warum es fast nie allein entsteht?

Beinahe wöchentlich werde ich insbesondere von Eltern zum Thema „Cybermobbing“ angesprochen und wie sie ihre Kinder im Internet vor diesem Gewaltphänomen schützen können.
Meine Antwort ist: „Cybermobbing gibt es nur im Doppelpack mit Mobbing in einem Zwangskontext – und das ist die Schulklasse. Übersehen wird – und nicht nur – von den Eltern, dass Cybermobbing in fast allen Fällen nicht isoliert auftritt, sondern die digitale Fortsetzung eines bestehenden Mobbingprozesses ist. Ich hatte in den letzten fünf Jahren nur einen „echten“ und isolierten Fall von Cybermobbing!
Mobbing ist ein dauerhafter Prozess, der zumindest durch diese drei Merkmale gekennzeichnet ist: Wiederholung, Machtungleichgewicht und Zwangskontext. Ein Zwangskontext beschreibt ein Umfeld, dem sich ein Kind nicht entziehen kann – etwa eine Schulklasse, eine Lerngruppe oder ein Verein; und genau hier entsteht Mobbing.
Digitale Medien wirken in diesem Zusammenhang wie ein Verstärker. Was im Schulalltag beginnt – Ausgrenzung, Herabsetzung, Gerüchte – setzt sich dann online fort. Chats, Bilder oder Kommentare verlängern den Mobbingprozess über den Schultag hinaus, sie sind jedoch meist nicht die Ursache, sondern ein zusätzliches Instrument.
Was Kinder in solchen Situationen vor allem brauchen, sind verlässliche Erwachsene, die zuhören, hinschauen und nicht bagatellisieren. Es geht nicht darum, alles sofort zu lösen und neben der Frage, was online passiert ist, sollten Eltern sich Zeit nehmen für die Frage: Wie fühlt sich der Alltag meines Kindes dort an, wo es jeden Tag sein muss?
Der beste Schutz vor Cybermobbing ist daher kein technischer, sondern ein sozialer und: Cybermobbing als Folge von Mobbing endet auch nicht, wenn das Opfer sind ändert, sondern wenn die Gruppe prosoziale Regeln lernt!
Cybermobbing ist daher ein komplexes Geschehen, das gemeinsames Hinsehen erfordert und es ist auch kein Medienproblem: es ist ein Beziehungsproblem im Zwangskontext Klasse!
LG Günther