22. Januar 2026
Gewalt ist nicht überraschend – sie ist politisch mitverursacht!

Ein aktuelles Beispiel veranlasst mich auch heute wieder an die österreichischen Politiker:innen zu appellieren, Gewaltprävention ernst zu nehmen. Fünf Buben in einer Volksschule umringen in der Hofpause einen Buben, beleidigen ihn, schlagen ihn, schlagen ihn nieder und treten auf ihn ein.
Prävention wirkt zwar langfristig und leise und wenn Prävention funktioniert, passiert „nichts“ – und dieses Nichts lässt sich politisch kaum verkaufen. Repressive Maßnahmen dagegen sind medial gut inszenierbar („härtere Strafen“, „mehr Polizei“), schnell kommunizierbar und – auch wenn sie keine Ursachen im Fokus haben und nichts verändern – für die Bevölkerung unmittelbar „spürbar.“
In einem auf Wahlzyklen ausgerichteten System wird daher oft das bevorzugt, was kurzfristig Handlungsfähigkeit signalisiert, nicht das, was langfristig Probleme verhindert und daher spricht bei Gewalt die Politik gerne von „Einzelfällen“. Doch die Wahrheit ist einfacher – und unbequemer: Gewalt gegen Kinder wächst dort, wo Gewaltprävention bewusst unterlassen wird!
Kinder, die häusliche oder sexualisierte Gewalt oder Mobbing erleben oder miterleben, zeigen diese Erfahrungen ein Leben lang. Sie zeigen Auffälligkeiten, sie werden krank, sie verlieren Chancen und sie wechseln Klassen und Schulen. Wer Gewaltprävention nicht umsetzt, entscheidet sich aktiv gegen den Kinderschutz.
So gesehen ist Gewaltprävention kein „Nice-to-have“, kein Projekt für gute Zeiten. Sie wäre eine staatliche Kernpflicht, denn jeder nicht investierte Euro bedeutet später zerstörte Biografien, hohe Gesundheitskosten und eine Gesellschaft, die ihren Jüngsten signalisiert: Ihr seid nicht unsere Priorität.
Kinder können nicht demonstrieren, sie können keine Leserbriefe schreiben und sie sind darauf angewiesen, dass Erwachsene Verantwortung übernehmen. Wenn nicht, ist es politisches Wegsehen – mit den vorhersehbaren schädigenden physischen, psychischen, emotionalen und kognitiven Folgen für die Menschen und unsere Zukunft.
LG Günther