4. Januar 2026

Suspendierungen

Politiker:innen und Medien berichten gerade wieder von Suspendierungen von Schüler:innen, allerdings wird in der aktuellen Debatte häufig so gesprochen, als seien suspendierte Schüler:innen die einzigen Betroffenen. 

Ich stelle mir gerade eine Schulklasse vor, in der ein Kind wiederholt Gewalt ausübt. Mitschüler:innen werden geschlagen, beschimpft, bedroht, manche haben Angst in die Schule zu kommen, andere können sich nicht mehr konzentrieren, einige zeigen bereits psychosomatische Symptome.

Wenn ein Kind wiederholt gewalttätig ist – schlägt, bedroht, einschüchtert … –, dann betrifft das nicht nur eine einzelne Situation. Es betrifft viele Kinder: jene, die verletzt werden, jene, die Angst entwickeln, und jene, deren Aufwachsen und Lernen dauerhaft beeinträchtigt wird.

Diese Kinder leben in einem Zwangskontext, d.h., sie können die Kindergartengruppe und die Klasse nicht verlassen, sie müssen täglich zurück an einen Ort, an dem Gewalt stattfindet und genau deshalb trägt der Staat eine besondere Verantwortung, sie wirksam zu schützen.

In der politischen und medialen Debatte wird jedoch häufig der Fokus auf die Suspendierung gewalttätiger Schüler:innen gelegt, während die Gewalt selbst und ihre Folgen für andere Kinder kaum thematisiert werden. Das verzerrt die Perspektive: Suspendierungen sind nicht das Problem, sondern eine Reaktion auf ein bereits bestehendes – oft lange unbehandeltes – Schutzversagen.

Auch gewalttätige Kinder brauchen Unterstützung, aber davor müsste die Politik und auch ganz besonders die Medien, die Gewalt- und Mobbing-Prävention in den Fokus rücken, denn Kinderschutz heißt: Alle Kinder schützen!

Meine Bitte an die Politiker:innen und Medien ist daher erneut: 

Zukunftsentscheidend ist für mich Gewaltprävention zum Schutz der seelischen Gesundheit und des gewaltfreien Aufwachsens von Kindern. Das heißt konkret: Wer das Kindeswohl ernst meint, muss in Zwangskontexten professionell und wirksam alle schützen, damit sie nicht zu Opfern und auch nicht zu Täter:innen bzw. Mobber:innen werden – und zwar konsequent und sichtbar.

LG Günther