31. Januar 2026

Volksschule: Warum Schweigen oft mehr Schutz als Zustimmung ist!

Bei Mobbing und Gewalt in Volksschulen entsteht oft der Impuls, Kinder sollen darüber reden, erklären, Stellung beziehen. Reden gilt als Lösung, Schweigen als Problem. Doch gerade in Situationen von Gewalt, Ausgrenzung und Machtungleichgewicht wie bei Mobbing, ist Schweigen für viele Kinder kein Einverständnis, sondern Selbstschutz.

Kinder zwischen sechs und neun Jahren verfügen noch nicht über die emotionale und soziale Reife, um Mobbingdynamiken öffentlich einzuordnen. Werden sie in Gesprächskreisen zum Erzählen gedrängt, geraten sie leicht in Angst, Scham oder Loyalitätskonflikte. Besonders betroffene Kinder erleben solche Runden als erneute Bloßstellung. Auch zuschauende Kinder schweigen oft, um sich selbst zu schützen; und nicht, weil sie zustimmen.

Entscheidend ist daher: Schweigen ist nicht Wegschauen. Gleichzeitig brauchen Kinder sichere Möglichkeiten, sich mitzuteilen – freiwillig und ohne Druck. In meiner Arbeit beginne ich daher mit einer klaren Vorstellung: Wer ich bin, warum ich da bin, und dass niemand etwas sagen muss

Ich erkläre, dass es wichtig ist, dass die Kinder in dieser Klasse in Ruhe arbeiten und in Frieden leben können; und es bei meinem Training nicht um Schuld oder Strafe geht. Diese Entlastung schafft Vertrauen und Zutrauen.

Nach einer systemischen Analyse und der Aufarbeitung ihrer „Wünsche“ zu Verhalten von Schüler:innen, beginnen Kinder von sich aus zu erzählen. Diese Mitteilungen werden nicht in der Gruppe diskutiert, sondern fließen in meine systemische Analyse ein: Wo zeigen sich Macht, Angst, Isolation oder fehlender Schutz? Daraus entstehen Maßnahmen, die gruppendynamische dissoziale Prozesse verändern.

Wo Erwachsene Verantwortung übernehmen, müssen Kinder nicht sprechen, um geschützt zu sein – und genau dort kann Vertrauen wachsen. Das heißt:  Eine Schule ist dann ein sicherer Ort, wenn Kinder wissen: Ich muss nichts sagen, um geschützt zu werden!

LG Günther