2. Februar 2026

Bildungspolitik ohne Folgenabschätzung

Grundsätzlich gilt für meine Präventionsarbeit: „Prävention darf kein parteipolitisches Mascherl tragen, denn dann hat die Professionalität und die Wirksamkeit verloren!“ und daher schreibe ich gerne dann, wenn die Gewaltprävention – und das seit Jahrzehnten – zu kurz kommt!

Die aktuelle Debatte über die Reduktion von Lateinstunden und die Einführung von KI-Unterricht zeigen allerdings ein zentrales Problem österreichischer (Bildungs-)Politik: Entscheidungen werden getroffen, ohne ihre Folgen für Kinder und Jugendliche ernsthaft abzuschätzen und deshalb empfinde ich das – wie so vieles andere auch – als ein Experiment an Kindern und der Zukunft Österreichs!

Statt zu fragen, was Kinder und unsere Zukunft tatsächlich brauchen, wird symbolisch angeordnet, was modern klingt. Die entscheidende Frage lautet nicht: alt oder neu, sondern: Welche Kompetenzen werden gestärkt, welche geschwächt – und bei wem? 

Latein ist ein Unterrichtsgegenstand für Sprache, Logik und Genauigkeit und genau diese Fähigkeiten sind auch Voraussetzung, um KI reflektiert, kritisch und eigenständig nutzen zu können. Wer sie abbaut und gleichzeitig komplexe Technologien in den Unterricht holt, verschärft bestehende Ungleichheiten: Starke Kinder profitieren, schwächere verlieren weiter den Anschluss. 

Entscheidend wären daher eine verpflichtende Folgenabschätzung, Pilotphasen mit unabhängiger Evaluation und systematische Prüfung der kognitiven, sozialen und psychischen Auswirkungen. 

Politik ohne Folgenabschätzung ist keine Reform, sie ist ein Experiment – durchgeführt an jenen, die nicht mitentscheiden können und daher tragen Kinder das Risiko und die Politik holt sich den Applaus. 

Was es braucht (brauchen würde), ist ein verbindlicher Prüfmechanismus vor jeder Änderung: Was nützt wem? Was schadet wem? Und wer übernimmt Verantwortung, wenn es schiefgeht? Alles andere ist kein Fortschritt: Es ist politisches Glücksspiel auf dem Rücken von Kindern!

LG Günther