27. Februar 2026

Die stillen Narben von Mobbing

Ein von Mobbing betroffenes Mädchen überreicht mir bei einer anonymen Übung diese Zeilen: „Ich gebe die Note 3 (mit dem Vermerk): „Weil ich jeden Tag mit Kopfschmerzen nach Hause gehe.“ 

Mobbing in Kindheit und Jugend ist kein harmloses „Dazwischen“ und es ist auch keine Phase, die sich auswächst. Für viele Betroffene endet es nicht mit dem Schulabschluss – es begleitet sie leise, unsichtbar und oft unverstanden ins Erwachsen werden weiter.

Was bleibt, sind Selbstzweifel und vor allem die Angst, nicht dazuzugehören. Manche Erwachsene kämpfen noch Jahre später mit sozialer Unsicherheit, Perfektionismus oder dem Gefühl, nie gut genug zu sein. Der Körper reagiert mit Stress, Schlafproblemen oder Erschöpfung: so, als wäre die Bedrohung nie ganz vorbei.

Viele Erwachsene „funktionieren“ trotzdem und niemand ahnt, dass sie innerlich im Überlebensmodus sind, denn Mobbing greift das Fundament an, auf dem sich Identität entwickelt. Wer wiederholt ausgelacht, ausgeschlossen oder abgewertet wird, beginnt diese Botschaften nicht nur zu glauben, sondern solche Verhalten prägen sich tief und oft ein Leben lang ein.

Wir alle tragen Verantwortung: Eltern, Pädagog:innen Mitschüler:innen …, denn Mobbing ist kein Konflikt unter Gleichen. Mobbing besteht aus einem Machtungleichgewicht und kein Kind darf – weil wir wegsehen oder das Thema nicht ernst nehmen – lernen, dass Ausgrenzung normal ist oder allein damit zurechtkommen zu müssen.

Doch genau hier kann Unterstützung ansetzen. Ein Kind oder ein Jugendlicher, der wahrgenommen, der ernst genommen wird, der Schutz erfährt und hört: „Du bist nicht falsch“ – hat eine echte Chance, dass aus Wunden keine lebenslangen Narben werden. 

Wegschauen hingegen verstärkt die Einsamkeit und Schweigen stabilisiert das Leid!

LG Günther