8. Februar 2026
Ich wusste, dass ich nichts falsch mache!

Mehrere Jahre lang wurde ein Bub gemobbt. Nicht einmal, nicht kurz – sondern systematisch, wiederholt, zermürbend. Mit Worten, Blicken und Ausgrenzung; Verhalten, die für Außenstehende oft „nicht so schlimm“ wirken, für ein Kind aber zum Überlebenskampf werden.
Und dennoch hat er – wie er sagt – „überlebt“. Nicht, weil es leicht für ihn war und auch nicht, weil er „stark genug“ gewesen wäre, wie wir es uns gerne schönreden, sondern weil er sich selbst immer wieder einen Satz gesagt hat: „Ich habe gewusst, dass ich nichts falsch mache.“
Dieser Satz hat ihm geholfen, das auszuhalten. Er war kein Trotz und auch keine Verdrängung, es war sein innerer Anker. Ein leiser, aber klarer Gedanke gegen den täglichen Versuch, ihn klein, falsch und auch wertlos zu machen.
Mobbing wirkt nicht nur im Moment, Mobbing frisst sich ein, es verändert Selbstbilder, Biografien und Zukunftspläne. Viele Kinder beginnen irgendwann zu glauben, was man ihnen antut. Genau hier entscheidet sich, wie tief die Wunden werden. Denn Mobbing lebt nicht nur von Mobber:innen – es lebt auch vom Schweigen, Wegsehen und Relativieren der Erwachsenen.
Dieser Satz war ein Gegengewicht gegen jahrelange Verletzungen und er rettete das innere Wissen um den eigenen Wert. Dieser Satz war kein Schutzschild und er machte das Mobbing nicht weniger schmerzhaft, aber er verhinderte etwas Entscheidendes: dass die Gewalt von außen zu einer Wahrheit im Inneren wurde.
Dass dieser Bub heute sagen kann, er habe „gewusst“, dass er nichts falsch macht, ist keine Selbstverständlichkeit, es ist ein Auftrag an uns alle, denn Kinder brauchen Erwachsene, die ihnen – explizit und wiederholt – sagen: „Du bist nicht das Problem. Du bist nicht falsch. Das, was dir passiert, ist Unrecht.“
Dass ein Kind sich selbst mit einem einzigen Satz durch jahrelange Ausgrenzung tragen muss, darf kein Normalzustand sein; es ist ein Warnsignal und Kinder sollten nicht „überleben“ müssen, sie sollten geschützt werden!
LG Günther