28. Februar 2026

Warum ich diese Arbeit mache

Vorigen Freitag stand ich nach einem zweitägigen Training in einem Gymnasium auf der Heimreise wegen des massiven Schneefalls im Stau. Ich saß im Wagen und begann, das Feedback der Schüler:innen zu lesen, zu denen ich Schüler:innen seit 15 Jahren ermutige. 

Viele Feedbacks waren dankbar, manche stimmten mich nachdenklich und dann stand auf einem Blatt Papier dieser Satz: „Ich habe Selbstmord-Gedanken!“; kein Ausrufezeichen, nur diese Worte!

Es ist seltsam, wie ein einzelner Satz die Zeit anhalten kann, wie durchaus auch Ängste entstehen können und wie hilflos man sich plötzlich fühlt und ich habe mich in diesen ersten Emotionen gefragt: Warum mache ich diese Arbeit?

Warum, wenn seit Jahrzehnten auf Landes- und Bundesebene so wenig nachhaltige, wirksame Gewaltprävention verankert wird, oder warum, wenn Prävention oft erst dann Aufmerksamkeit bekommt, wenn etwas eskaliert und es auf der politischen Bühne mehr um den Applaus, als um den Schutz der Kinder geht!

Wenn ein Mädchen aus dieser Klasse diesen Satz schreibt, dann bedeutet das: Es hat mir vertraut, dass ich hinschaue, dass ich das lese und dass ich ihr helfe; und das habe ich dann auch getan.

Veränderungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen beginnen ganz offensichtlich nicht im Parlament, sondern in einem Kreis von Schüler:innen, die lernen, dass ihre Dynamik Wirkung hat, dass Wegsehen etwas verstärkt und Hinschauen etwas rettet.

Diese zwei Trainings-Tage schaffen Räume, in denen ausgesprochen werden darf, was sonst verborgen bleibt, in denen Dynamiken sichtbar werden und in denen Kinder und Jugendliche spüren: Ich bin nicht ganz allein.

Während der Verkehr langsam wieder ins Rollen kam, wusste ich: Ich mache diese Arbeit nicht, weil Politik perfekt funktioniert, ich mache sie, weil Kinder und Jugendliche es verdienen, gesehen und geschützt zu werden: und das ist Grund genug!

LG Günther