24. März 2026
Ich ritze mich – und niemand hört mich!

„Ich ritze mich und ich habe über Selbstmord nachgedacht!“ Diese Zeilen eines Mädchens fand ich vergangene Woche wieder unter meinen Feedbacks. Dieser Hilferuf ist kein Einzelfall, das ist bei meinen Trainings mittlerweile Alltag geworden, denn beinahe jede Woche schreiben mir insbesondere Jugendliche solche erschütternden Sätze.
Zwischen Dankbarkeit und Hoffnung blitzen Verzweiflung, Ohnmacht, Hilflosigkeit und tiefe Einsamkeit auf und jedes Mal stelle ich mir dieselbe Frage: „Warum übernehmen unsere Politiker:innen seit Jahrzehnten keine Verantwortung für die Kinder, Jugendlichen und deren Zukunft?“
Österreich diskutiert Mobbing, patriarchale und sexualisierte Gewalt meist erst dann, wenn es zu spät ist. Wenn Schlagzeilen entstehen, wenn Leben bereits zerbrochen sind und wenn Leben durch Suizid oder Mord erloschen sind; doch die leisen Hilferufe davor: sie verhallen ungehört!
Die Zeilen, die ich lese, sind keine Randphänomene. Es sind viele junge Menschen, die sich selbst verletzen, die an ihrem Wert zweifeln, die keinen Ausweg mehr sehen; und sie alle haben eines gemeinsam: Sie fallen durch ein System, das Gewaltprävention nicht ernst genug nimmt!
Zwei Tage Training können viel bewirken. Sie schaffen Bewusstsein, stärken Mut, öffnen Räume, aber sie können nicht auffangen, was jahrzehntelang versäumt wurde und diese Trainings können auch kein fehlendes Netz ersetzen.
❎ Es reicht nicht, über Resilienz zu sprechen, wenn Strukturen fehlen!
❎ Es reicht nicht, Betroffenheit zu zeigen, wenn keine nachhaltige Finanzierung folgt!
❎ Es reicht schon gar nicht, Kinder mit ihren Ängsten allein zu lassen!
Wir dürfen nicht warten, bis aus Gedanken dieser Kinder und Jugendlichen Taten werden. Prävention ist eine politische Verantwortung, die Kinder und Jugendlichen brauchen: Sie brauchen endlich ein System, das sie sieht, hört – und schützt und sie nicht ungehört, ungesehen und unbemerkt in der Stille zerbrechen lässt!
LG Günther