26. März 2026

Mehr Suspendierungen lösen kein einziges Gewalt- und Mobbingproblem

Die „Kleine Zeitung“ titelt heute: „Zahl der Suspendierungen an steirischen Schulen explodiert.“ Was in dieser Berichterstattung – wie so oft in den Medien – fehlen, sind die Lösungsansätze, um Kinder vor Gewalt und Mobbing zu schützen.

In meiner fünfzehnjährigen systemischen Prävention und Intervention mit Kindern, Jugendlichen, Pädagog:innen und Eltern in Schulen zeigt sich folgendes Bild: Gewalt und Mobbing entstehen selten durch „schwierige Einzelne“, sie entstehen in Gruppen und sie entstehen dort, wo Dynamiken kippen, Rollen sich verfestigen und Erwachsene zu spät oder falsch eingreifen.

Suspendierungen sind ein kurzfristiges Entlastungsinstrument, das zwar den Druck aus einer akuten Situation nimmt, aber nicht die zugrunde liegenden Dynamiken löst; und vor allem: die Kinder als Gewaltopfer gibt es schon und die werden offenbar „übersehen.“

Das eigentliche Problem liegt daher tiefer, denn das österreichische Schulsystem ist nicht auf die aktive Gestaltung sozialer Prozesse ausgelegt. Pädagog:innen leisten wertvolle Arbeit, werden aber kaum darauf vorbereitet, Gruppendynamiken zu erkennen, um früh wirksam gegenzusteuern.

Wenn wir die Entwicklung wirklich verändern wollen, müssen wir die Perspektive ändern: 

⭕️ Österreich braucht Kindergärten und Schulen, die soziale Dynamiken genauso ernst nehmen wie Mathematik und Sprache. 
⭕️ Österreich braucht verpflichtende und langfristige Präventionskonzepte statt kurzfristiger, teils parteipolitisch ideologisierter Maßnahmen und
⭕️ Österreich braucht Ausbildungen, die diese Komplexität, diese Perspektive und diese Verantwortung in den Fokus nehmen und geschultes Personal auf genau diese Realität vorbereitet.

Mehr Suspendierungen sind kein Zeichen von Lösungen, sondern ein Hinweis darauf, dass die Politik die eigentlichen Ursachen entweder noch nicht ausreichend erkannt hat oder – auch das wäre eine Option – Kinder bewusst und konkret im Stich lässt.

LG Günther