27. März 2026
Unbequeme Fragen stellen!

Ich arbeite seit 15 Jahren an der Schnittstelle Gruppendynamik und Gewaltprävention mit dem Fokus, Mobbing und Gewalt als Systemphänomen zu verändern und sehe immer wieder dasselbe Muster: Wenn Situationen eskalieren, wird oft schnell nach Sanktionen gegriffen.
Wenn die Zahl der Suspendierungen steigt, scheint die Sache auf den ersten Blick klar: strengere Maßnahmen, mehr Konsequenzen, mehr Kontrolle; doch genau diese Logik ist Teil des Problems, denn in meiner Praxis zeigt sich ein anderes Bild: Dort, wo verstärkt auf Strafen gesetzt wird, verändern sich die Dynamiken selten zum Positiven.
Konflikte verschwinden nicht, sie verlagern sich nur und Mobbing und Gewalt werden subtiler, schwerer greifbar und oft auch härter für die betroffenen Kinder und mehr Strafen geben Eltern und Pädagog:innen zwar das Gefühl von Handlung; lösen aber kaum Ursachen.
Der Grund dafür ist einfach: Gewalt und Ausgrenzung entstehen nicht primär durch einzelne „schwierige“ Schüler:innen, sondern durch soziale Dynamiken innerhalb von Gruppen. Wer nur Einzelne bestraft, lässt das System unangetastet, in dem diese Dynamiken entstehen.
Pädagog:innen stehen unter massivem Druck, denn sie müssen nicht nur unterrichten, sondern auch soziale Prozesse steuern, für die sie in ihrer Ausbildung kaum vorbereitet wurden und daher zeigen steigende Suspendierungen ein System, das mit Gruppendynamik überfordert ist.
Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, müssen wir der Politik unbequeme Fragen stellen:
🔘 Warum greift die Politik so spät ein?
🔘 Warum behandelt Politik Gruppendynamiken wie Einzelfälle?
🔘 Warum erwartet Politik von den Pädagog:innen soziale Probleme zu lösen, ohne ihnen die nötigen Ressourcen und Ausbildungen zu geben?
In der Praxis zeigen sich fehlende Prävention und Intervention in frühen Phasen und fehlende Kompetenzen im Umgang mit gruppendynamischen Dynamiken in Zwangskontexten.
LG Günther