8. März 2026

Warum Jugendliche „alles tun“, um in der Schulklasse dazuzugehören?

Vergangene Woche war ich mit dem Mobbing- und Gewaltpräventions-Training in einer Schulklasse, in der sich eine Gruppe von Schüler:innen den Mitschüler:innen und auch den Pädagog:innen gegenüber seit Monaten (Jahren) sehr respektlos verhielt!

Viele Pädagog:innen beobachten, dass Jugendliche in der Schulklasse oft erstaunlich weit gehen, um dazuzugehören. Schüler:innen passen sich stark an, übernehmen Meinungen der Gruppe und machen bei Dingen mit, die sie eigentlich ablehnen. 

Besonders im Zwangskontext Klasse hat dieses Verhalten einen wichtigen Hintergrund für Schüler:innen, denn anders als bei Freizeitfreundschaften, können sie sich ihre Gruppe nicht aussuchen und wer in der Klasse keinen Platz findet, erlebt diese Situation schnell als belastend.

In dieser Umgebung wird Zugehörigkeit zu einer zentralen sozialen Ressource. Anerkennung durch Mitschüler:innen bedeutet Sicherheit, Schutz vor Ausgrenzung und ein Gefühl von „Ich gehöre dazu“. Ablehnung oder Ausschluss hingegen können sich für Jugendliche sehr bedrohlich anfühlen. 

Jugendliche beobachten diese Dynamiken sehr genau und passen ihr Verhalten als Strategie – um ihren Platz im sozialen Gefüge zu sichern – entsprechend an. Gemeinsame Projekte, klare Regeln gegen Ausgrenzung und regelmäßige Reflexion über das Miteinander, stärken ein positives Gruppengefühl und tragen so dazu bei, dass Zugehörigkeit nicht über Abwertung anderer entsteht. 

Wenn Jugendliche erleben, dass ihre Interessen, Meinungen und Stärken ernst genommen werden und die Pädagog:innen konsistent agieren und reagieren, fällt es ihnen als „Mehrheit“ in der Klasse leichter, nicht ausschließlich von der Zustimmung einer Gruppe störender und respektloser Schüler:innen abhängig zu sein.

LG Günther