16. März 2026

Wenn eine kleine Gruppe den Unterricht bestimmt!

Diese Woche steht ganz im Zeichen von Fortbildungen für Hort- und Nachmittagsbetreuer:innen, für Elementarpädagog:innen, Pädagog:innen und eines Trainings für Schüler:innen und ein Thema wird immer aktueller: „In vielen Klassen bestimmen wenige Schüler:innen einen großen Teil der Aufmerksamkeit; doch was bedeutet das für die lernbereite Mehrheit?“

In vielen Schulen kann ich ein ähnliches Muster beobachten: Einzelne störende Schüler erhalten einen großen Teil der Aufmerksamkeit im Unterricht. Pädagog:innen reagieren verständlicherweise mit klären, ermahnen, diskutieren oder versuchen zu vermitteln. Doch genau hier beginnt oft ein Problem, das gut beschrieben ist: die sogenannte Aufmerksamkeitsdynamik im Klassenzimmer.

Aufmerksamkeit ist im Unterricht eine begrenzte Ressource. Schüler:innen beobachten sehr genau, wofür sie vergeben wird. Wenn Störungen regelmäßig den Unterricht unterbrechen und viel Raum einnehmen, entsteht ungewollt ein Signal: Auffälliges Verhalten wird sichtbar, ruhiges Lernen dagegen kaum. Für die Mehrheit der Klasse kann das frustrierend sein. 

Das bedeutet nicht, dass Störungen ignoriert werden sollten. Im Gegenteil: Sie brauchen klare, ruhige und kurze Reaktionen. Studien zeigen jedoch, dass lange öffentliche Interventionen oft mehr Dynamik erzeugen als sie lösen. Erfolgreiche Klassenführung verschiebt den Fokus bewusst: Lernbereitschaft wird sichtbar gemacht, Störungen werden knapp und ohne große Bühne adressiert, und der Unterricht behält seinen Fluss.

Für Pädagog:innen stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie verteile ich Aufmerksamkeit im Unterricht, wer bekommt sie und wofür? Diese Frage betrifft nicht nur einzelne Pädagog:innen, sondern die gesamte Schulgemeinschaft, denn Unterricht gelingt dort am besten, wo Lernen im Mittelpunkt steht, und die Mehrheit der Schüler:innen spürt: Unsere Konzentration und unser Engagement werden gesehen!

LG Günther