17. März 2026
Wenn Worte verletzen!

Geburtstage gehören in vielen Volksschulklassen zu den schönen Ritualen des Schulalltags. Gemeinsam „Happy Birthday“ zu singen und dem Geburtstagskind Aufmerksamkeit zu schenken, stärkt normalerweise das Gemeinschaftsgefühl. Doch manchmal zeigen gerade solche Situationen auch, welche Spannungen in einer Klasse vorhanden sind.
Eine Pädagogin berichtete von einem Erlebnis in ihrer Klasse: „Die Kinder hatten sich versammelt, um einem Mädchen zum Geburtstag zu gratulieren. Während alle sangen, rief plötzlich ein Bub laut: „Du solltest lieber tot sein!“ Der Satz traf das Geburtstagskind, die anderen Kinder und mich völlig unerwartet.“
Solche Aussagen wirken schockierend und in diesem Fall entwickelte das Mädchen nach dem Vorfall Angst, wieder in die Schule zu gehen. Für Kinder im Volksschulalter können verletzende Worte sehr bedrohlich wirken und umso wichtiger ist es, dass Erwachsene die Angst ernst nehmen und dem Kind vermitteln, dass es nicht allein ist.
In Schulen werden solche Vorfälle oft noch als individuelles Thema behandelt, d.h., es findet ein Gespräch mit dem Kind statt, das die verletzende Aussage gemacht hat, während die Klasse selbst nicht weiter einbezogen wird.
Was auf den ersten Blick meist aus der verständlichen Absicht, ein Kind nicht bloßzustellen oder den Konflikt nicht weiter zu dramatisieren, logisch wirkt, kann jedoch in der Klasse eine unerwünschte „Nebenwirkung“ haben, denn die Klasse hat den Vorfall miterlebt. Wenn danach nicht mehr darüber gesprochen wird, entsteht bei den Kindern die Wahrnehmung: „Das war gar nicht so schlimm!“, „Niemand sagt etwas dagegen!“, „Der Bub darf das!“
Der entscheidende Punkt ist, dass Kinder soziale Normen vor allem aus dem, was in der Gruppe sichtbar gilt, lernen. Wenn eine Klasse daher gemeinsam erlebt: „Bei uns verletzt man niemanden mit Worten“ und „Wir passen aufeinander auf“ dann entsteht eine soziale Schutzkultur, die sowohl dem betroffenen Mädchen als auch der gesamten Klasse hilft.
LG Günther