3. April 2026
Ein sicherer Arbeitsplatz entsteht nicht von selbst!

Im Rahmen der Fachtagung „Tatort Arbeitsplatz“ der Gewerkschaft vida, wurde ich als Podiumsteilnehmer und Workshopleiter gebeten, über meine Erfahrungen auch im Arbeitskontext zu berichten. Ich begegne Gewalt, Mobbing und abwertender Kommunikation häufig durch subtile Bemerkungen, scheinbar harmlose „Witze“ oder digitale Kommentare, die Grenzen verschieben.
Hass im Netz, Diskriminierung und Mobbing betrachte ich daher nicht als getrennte Phänomene, sondern als Teil derselben Herausforderung: Wie gehen wir miteinander um? Und was lassen wir im Arbeitskontext zu? Ich erlebe immer wieder, dass solche Verhaltensweisen nicht nur einzelne Personen belasten, sondern ganze Teams verunsichern und die Zusammenarbeit und Produktion nachhaltig beeinträchtigen.
Ein zentraler Punkt ist für mich die Unterscheidung zwischen Meinung und abwertender Kommunikation. Kritik und unterschiedliche Perspektiven sind wichtig und notwendig, problematisch wird es aber dort, wo nicht mehr Inhalte im Fokus stehen, sondern Menschen oder Gruppen abgewertet werden. Diese Unterscheidung bewusst zu treffen, ist aus meiner Sicht eine Schlüsselkompetenz für einen respektvollen Arbeitsalltag.
Gleichzeitig weiß ich aus der Praxis: Erkenntnis allein verändert noch nichts, entscheidend ist vielmehr, ob Menschen sich zutrauen zu handeln. Ich ermutige deshalb Mitarbeiter:innen und Führungskräfte, auch kleine Interventionen ernst zu nehmen; denn eine Nachfrage, ein Widerspruch oder ein unterstützendes Wort können bereits einen Unterschied machen.
Organisationen spielen dabei eine wichtige Rolle, indem sie Orientierung geben und Räume für Austausch schaffen. Doch letztlich beginnt Veränderung für mich immer im Kleinen: im täglichen Miteinander, in der eigenen Haltung und in der Bereitschaft, auf allen Ebenen Verantwortung zu übernehmen.
Ein sicherer Arbeitsplatz entsteht nicht von selbst. Er entsteht dort, wo Mitarbeiter:innen und Führungskräfte hinschauen, Haltung zeigen und sich gegenseitig stärken: im digitalen wie im analogen Raum!
LG Günther