5. April 2026

Mobbing am Arbeitsplatz: „Da müssen Sie durch“

Esther Reiserer von „Die Presse“ schrieb gestern: „Sie wacht schweißgebadet auf. Wird von Herzrasen, Zittern, Atemnot gequält. An Arbeit ist an diesem Morgen nicht zu denken. Also meldet sie sich krank. Eine Mutter von zwei Kindern, seit wenigen Monaten in einem neuen Job und zunehmend verbale Zielscheibe einer Kollegin. Als sie Hilfe sucht, erst bei Kollegen, dann beim Betriebsrat, schließlich beim Chef, bekommt sie nur eine Antwort: „Da müssen Sie durch.“ Fälle wie diesen schildert Günther Ebenschweiger vom Mobbing-Zentrum aus seiner täglichen Arbeit.“

Diese Aussage ist kein Einzelfall, sondern passiert tausenden von Arbeitnehmer:innen in Österreich. Seit über 40 Jahren beschäftige ich mich in Schulen, Unternehmen und aktuell im Elementarbereich mit Gewalt- und Mobbingprävention: Die Muster sind dieselben, denn Mobbing beginnt selten laut, es beginnt schleichend; mit Abwertung, Ausgrenzung, subtilen Angriffen und es wächst dort, wo niemand eingreift.

Unternehmen verharmlosen, relativieren, delegieren durchaus aus Unwissenheit und Betroffene werden allein gelassen, bis sie krank werden, innerlich längst aufgegeben haben, in ein Burnout schlitten oder kündigen. Was bleibt, ist nicht nur persönliches Leid, sondern auch ein hoher Preis für die Organisation: steigende Krankenstände, Verlust von Know-how, vergiftete Teams.

Unternehmen dürfen das nicht länger akzeptieren, denn Mobbing ist kein „Konflikt“, der sich von selbst löst. Führungskräfte müssen hinschauen, verstehen und eingreifen: frühzeitig und unmissverständlich, denn jede nicht gesetzte Grenze ist eine Einladung zur Eskalation.

Und trotzdem hält sich hartnäckig diese Haltung: „Das müssen Mitarbeitende aushalten!“ und ich sage: „Nein, das müssen sie nicht!“, denn die entscheidende Frage ist nicht, ob es Mobbing in einem Unternehmen gibt, sondern: „Wie lange schauen Führungskräfte noch weg?“

Ein großes Danke an Esther Reiserer für diesen Bericht! Der Link zum Artikel in „Die Presse“: 

https://www.diepresse.com/20736610?giftcode=88fb980e9a8692a6cb6ab148ae01cd910eec1c98&utm_source=web&utm_medium=web&utm_campaign=artikelschenken

LG Günther