23. April 2026
Politische Entscheidungen schützen Kinder: oder lassen sie allein!

Sehr geehrte politische Entscheidungsträger:innen, bei einem vor kurzem durchgeführten systemischen Training schrieb mir eine Schülerin folgende Zeilen: „Also, ich zweifle manchmal an mir, dass ich zu hässlich bin und halt fast alles. Ich überdenke alles, aber ja, …, ich ritze mich auch manchmal und dachte schon oft über Selbstmord nach.“
Seit Jahrzehnten wird in Österreich betont, wie wichtig Gewaltprävention ist und doch erlebe ich in der Praxis täglich etwas anderes: Wenn es um konkrete, niederschwellige Präventionsarbeit geht, hören ich regelmäßig diesen Satz: „Dafür haben wir kein Geld.“
Ich spreche hier nicht über abstrakte Konzepte, ich spreche über Kinder und über junge Menschen, die lernen sollten, Grenzen zu respektieren, Konflikte gewaltfrei zu lösen und sich selbst und andere zu schützen und ich spreche über die Verhinderung von Leid, bevor es entsteht.
Stattdessen finanzieren Sie verlässlich die Folgen von Gewalt im Bildungs-, Gesundheits-, Sozial- und Justizsystem; aber sie zögern, in ihre Verhinderung zu investieren!
Jedes Kind in Österreich hat das Recht auf ein gewaltfreies, gesundes und sicheres Aufwachsen. Dieses Recht darf nicht vom Zufall abhängen und nicht davon, ob es gerade ein Projekt gibt, ob Fördermittel auslaufen oder ob engagierte Einzelpersonen einspringen.
Bitte verankern Sie Gewaltprävention als verbindliche Grundversorgung für alle Kinder und Jugendlichen, schaffen Sie langfristige, stabile Finanzierungsstrukturen, sorgen Sie für eine qualitätsgesicherte Umsetzung und reservieren Sie einen fixen Anteil öffentlicher Budgets für niederschwellige Präventionsarbeit.
Bitte treffen Sie Entscheidungen, die nicht erst greifen, wenn Schaden entstanden ist, sondern die ihn verhindern, denn Prävention ist kein Luxus: Prävention ist eine Verpflichtung gegenüber der nächsten Generation!
LG Günther