17. April 2026

Respekt trotz Widerstand: Umgang mit Provokation & Kritik von Jugendlichen

Ich leite gerade die Fortbildung „Außer Kontrolle: Umgang mit eskalierenden Konflikten“ und wir besprechen gerade Situationen mit verbalen und psychischen Aggressionen, als mich eine Pädagogin fragt: „Hr. Ebenschweiger, ist es ihr naturell oder haben Sie diese Ruhe gelernt?“

Ja und nein, denn bei meinen gruppendynamischen Trainings zu den Themen Störungen, Mobbing, Gewalt … geht es um Respekt, es geht um Grenzen und darum, wie wir in einem Zwangskontext Klasse miteinander umgehen und vor allem professionell (re-)agieren! 

Ein Beispiel: Bei einem Training sitzen wir im Sesselkreis, wir reden über das Thema Mobbing, einige Schüler:innen hören aufmerksam zu, andere sind noch nicht so präsent und dann sagt plötzlich und unvermittelt ein Bub in den Raum: „Das alles ist mir doch egal!“ 

Ein paar Schüler:innen lachen leise, zwei drehen sich zu ihm hin, andere schauen mich an und plötzlich verändert sich etwas spürbar in der Klasse und mit diesem Satz steht eine Frage im Raum: Wie gehe ich jetzt damit um? 

Ich bleibe ruhig, halte die Spannung aus, statt diese zu kontrollieren und stelle ihm die Frage: „Mich würde interessieren, was genau bringt dir gerade nichts?“ Er zuckt mit den Schultern, dann etwas leiser: „Weiß nicht… bringt halt eh nix.“ Hätte ich den Satz übergangen, wäre der Vorwurf im Raum geblieben und hätte ich den Buben dafür kritisiert, hätte ich vielleicht den Buben und die Klasse „verloren“.

Die Kunst liegt dazwischen: sichtbar machen, ohne bloßzustellen, zu begrenzen, ohne abzubrechen und gleichzeitig einzuordnen, denn gerade darin besteht Ambiguitätstoleranz: Beziehung halten, Konflikte zulassen und nicht eskalieren. 

Zusammengefasst bedeutet das: Wahrnehmen, Verstehen wollen, Einordnen, Grenzen setzen und ein Angebot machen: „Ich will verstehen, warum du das sagst. Gleichzeitig ist mir wichtig, dass wir respektvoll miteinander sprechen. Du kannst Kritik äußern, aber nicht in dieser Form.“

LG Günther