4. April 2026

Suspendierungen: Zu spät reagieren ist Teil des Problems; nicht die Lösung!

Als Trainer für systemische Mobbing- und Gewalt-Prävention sowie -Intervention arbeite ich seit rund 15 Jahren täglich und österreichweit mit Kindern und Jugendlichen in Schulen. Ich sehe, was passiert, wenn Probleme nicht frühzeitig erkannt und konsequent bearbeitet werden; und ich sehe die Folgen eines Systems, das zu oft erst dann reagiert, wenn Situationen bereits eskaliert sind.

Wenn behauptet wird, Suspendierungen seien kein systemisches Versagen, greift das aus meiner Sicht zu kurz. Denn die entscheidende Frage ist nicht, ob eine Suspendierung im Einzelfall gerechtfertigt ist. Die eigentliche Frage lautet: Warum kommt es überhaupt so weit und warum wird so spät gehandelt?

In der Zeit bis zur Eskalation entstehen reale Schäden. Kinder, Jugendliche, Eltern und Pädagog:innen werden physisch, psychisch, emotional und kognitiv belastet. Betroffene werden zu unmittelbaren Opfern, während ganze Klassen als soziale Systeme mittelbar mittragen müssen, was eigentlich frühzeitig hätte verhindert werden können. Lernen wird erschwert, Vertrauen wird untergraben, Unsicherheit wird zum ständigen Begleiter.

Ein wirksames System müsste früher ansetzen: mit klaren Strukturen, ausreichenden Ressourcen und der Fähigkeit, gruppendynamische Prozesse rechtzeitig zu erkennen und zu unterbrechen. Prävention und Intervention dürfen nicht erst beginnen, wenn alle anderen Möglichkeiten bereits ausgeschöpft sind.

Suspendierungen sind daher selten der Anfang eines Problems, sondern fast immer dessen späte Konsequenz. Und genau darin liegt das systemische Versagen: nicht im einzelnen Schritt, sondern im wiederholten Zu-spät-Handeln.

Wenn wir Kinder, Jugendliche, Eltern und Pädagog:innen wirklich schützen wollen, müssen wir den Fokus verschieben, weg von der Reaktion auf Eskalationen, hin zu einem konsequenten, frühzeitigen und präventiven Handeln, denn ein System, das erst handelt, wenn nichts mehr geht, hat längst vorher aufgehört zu funktionieren!

LG Günther