7. Mai 2026
Das Boot

Bei meinem kostenlosen Vortrag zum Thema „Übergänge“ — vom Elternhaus in den Kindergarten, vom Kindergarten in die Volksschule und schließlich weiter in die Unterstufe – wurde spürbar, dass Übergänge viel mehr sind als neue Gebäude, neue Stundenpläne oder neue Bezugspersonen. Übergänge sind emotionale Prozesse, für Kinder, für Eltern, für Pädagog:innen und für alle, die Kinder begleiten.
Während des Vortrags entstand in mir ein Bild, das mich seitdem nicht mehr loslässt: Wir sitzen alle im selben Boot. Eltern, Pädagog:innen, Schulleiter:innen, Schulsozialarbeiter:innen, Schulpsycholog:innen, Mobbing- und Gewaltpräventions-Expert:innen uam., denn wir alle wollen Kinder stärken, begleiten, schützen und auf ihrem Weg unterstützen.
Und trotzdem fühlt es sich oft so an, als würden viele in unterschiedliche Richtungen rudern. Die einen kämpfen für Leistung, die anderen für Entlastung, manche für Struktur und klare Regeln und andere wiederum für Beziehung, Verständnis, emotionale Sicherheit und Mobbing- und Gewaltfreiheit: und jede Perspektive hat ihre Berechtigung.
Jede Perspektive entsteht aus Verantwortung, Erfahrung oder auch Überforderung, doch wenn die Verantwortlichen nur noch in die eigene Richtung rudern, beginnt sich das Boot im Kreis zu drehen, und mitten darin sitzen Kinder und Jugendliche.
Kinder und Jugendliche, die Orientierung suchen, die Halt brauchen, die nicht perfekte Systeme brauchen, sondern Erwachsene, die bereit sind, einander zuzuhören und gemeinsam Verantwortung zu tragen. Vielleicht beginnt Veränderung nicht dort, wo jemand „gewinnt“, sondern dort, wo wir wieder beginnen, gemeinsam zu rudern.
Und vielleicht braucht es genau jetzt eine Bildungspolitik, die nicht nur verwaltet, sondern verbindet, die Räume schafft, in denen Eltern, Pädagog:innen, Schulen und präventive und psychosoziale Fachkräfte gemeinsam in eine Richtung rudern: mit einem klaren Blick auf das, worum es wirklich geht: unsere Kinder.
LG Günther