26. Mai 2026

Gewaltschutz weiterdenken: Prävention als gemeinsame Systemaufgabe 

Zu meinen letzten drei Artikeln patriarchaler Gewalt, eine abschließende Zusammenfassung: Österreich hat in den vergangenen Jahrzehnten wichtige Schritte im Gewaltschutz gesetzt. Dafür gebührt allen Verantwortlichen in Politik, Bildung, Gesundheit und Sozialwesen Anerkennung. Gleichzeitig zeigt die Praxis: Wir müssen den nächsten notwendigen Entwicklungsschritt gemeinsam gehen.

Gewaltprävention wird oft als Sammelbegriff verwendet; für Sensibilisierung, Schutz, Krisenarbeit oder Intervention. Das zeigt Engagement, führt aber auch zu Unschärfen in Zuständigkeiten, Finanzierung und Wirkung.

Eine systemische Präventionslogik unterscheidet drei Ebenen:

✅ Universelle Prävention stärkt Schutzfaktoren für alle Menschen, bevor Gewalt entsteht.
✅ Selektive Prävention richtet sich an Gruppen mit erhöhtem Risiko.
✅ Indizierte Prävention greift bei ersten Hinweisen.
✅ Wenn Gewalt bereits stattfindet, braucht es Intervention, Schutz und klare Exitstrategien.

Alle diese Bereiche sind notwendig. Doch sie wirken nur dann nachhaltig, wenn sie nicht nebeneinander, sondern miteinander gedacht werden, denn die Praxis zeigt: Fachkräfte öffnen Räume, in denen Gewalt sichtbar wird, Schutzsysteme reagieren auf akute Fälle. Was aber nach wie vor fehlt, ist die verbindende Struktur zwischen diesen Ebenen.

Genau hier liegt eine Chance für eine gemeinsame Systemreform, um die österreichische Präventionsarchitektur zu stärken. Wenn wir Prävention nicht nur als Projektbegriff, sondern als durchgängige gesellschaftliche Strategie verstehen, können wir Gewalt nicht nur besser beantworten, sondern früher verhindern.

Es ist eine Einladung, das bereits Erreichte systemisch weiterzuentwickeln: mit klareren Schnittstellen zwischen Prävention, Früherkennung, Intervention und Gewaltschutz, denn Gewaltprävention ist eine politisch ressortübergreifende und somit gemeinsame Systemaufgabe.

LG Günther