15. Mai 2026
Kinder brauchen keine perfekten Pädagog:innen!

Mein Schreiben richtet sich heute konkret an Pädagog:innen und Schulleiter:innen, denn sie arbeiten in einem Beruf, der viel mehr ist als Wissensvermittlung, Organisation oder Betreuung. Sie gestalten soziale Räume, sie prägen Beziehungen, sie setzen Grenzen und oft sind sie für Kinder und Jugendliche die Erwachsenen, an denen sich entscheidet, ob sie sich sicher oder allein fühlen.
Gerade beim Thema Mobbing erlebe ich häufig Unsicherheit. Das ist verständlich, denn soziale Dynamiken sind komplex, nicht jede Ausgrenzung ist sofort eindeutig, nicht jeder Konflikt ist Mobbing und niemand wurde für jede schwierige Gruppensituation perfekt ausgebildet.
Aber hier liegt meine wichtige Botschaft: Kinder brauchen keine perfekten Schulleiter:innen und Pädagog:innen, Kinder brauchen verlässliche Erwachsene, weil es nicht darum geht, alles sofort richtig zu machen.
Es geht darum, hinzusehen, wahrzunehmen, wenn sich Rollen verfestigen, zu bemerken, wenn ein Kind wiederholt ausgeschlossen, beschämt oder zum Ziel von Gruppendynamik wird und Verantwortung nicht aus Unsicherheit zurückzugeben, denn auch Nicht-Handeln wirkt.
Kinder lernen nicht nur aus dem, was Erwachsene sagen, sie lernen vor allem aus dem, wie Erwachsene Verantwortung übernehmen und Schulleiter:innen und Pädagog:innen haben hier eine Schlüsselrolle.
Nicht, weil sie alles kontrollieren können, sondern weil ihr Handeln Orientierung gibt, denn manchmal beginnt Schutz nicht mit einem großen Konzept, sondern mit einem einfachen Satz: „Ich sehe, dass hier etwas nicht stimmt, ich kümmere mich darum und ich übernehme Verantwortung für den Schutz „meiner“ Schüler:innen.“
Schulleitungen und Pädagog:innen müssen soziale Gewalt nicht allein lösen, aber sie können den entscheidenden Unterschied machen. Wo sie hinschauen, Verantwortung übernehmen und gemeinsam handeln, entsteht Schutz: und genau hier beginnt Bildung!
LG Günther