9. Mai 2026
Mobbing: Wenn Kinder verletzen und verletzt werden

Bei meinen Vorträgen stellen Teilnehmer:innen Fragen und es waren so an die 150, die mir in den letzten Monaten gestellt wurden; und eine Frage wurde sehr oft gestellt: „Warum werden Kinder zu Mobber:innen und warum gibt es immer Kinder als Opfer?
Mobbing beginnt selten mit „bösen Kindern“ und Betroffenheit selten mit „Schwäche“. Hinter beidem stehen meist emotionale und soziale Prozesse, die wir verstehen sollten, wenn wir Kinder wirklich begleiten und schützen wollen.
Kinder, die andere mobben, handeln oft wegen fehlender psychischer Grundbedürfnisse so oder haben selbst Beschämung, Ablehnung oder emotionale Härte erlebt. Dominanz wird dann zur Strategie, um sich stark und sicher zu fühlen. Das entschuldigt Mobbing nicht, hilft aber, die Ursachen zu erkennen und Lösungen zu entwickeln.
Betroffene Kinder reagieren häufig mit Rückzug, Anpassung oder Erstarren. Soziale Ausgrenzung wird vom Körper wie eine Bedrohung erlebt und manche Kinder kämpfen, andere ziehen sich zurück, werden still oder versuchen unsichtbar zu sein. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Schutzmechanismus.
Mobbing „lebt“ von gruppendynamischen Prozessen im „Zwangskontext“ Kindergartengruppe und Schulklasse. Kinder spüren sehr früh, wer dazugehört, wer „anders“ ist und wo sie selbst sicher sind. Fehlt emotionale Sicherheit entstehen leichter Ausgrenzung, Macht und Angst.
Deshalb brauchen betroffene Kinder vor allem wissende Erwachsene, Verständnis, Schutz und Verbündete: und nicht nur den Satz: „Ignorier es einfach.“ Kinder, die mobben, brauchen neben klaren Grenzen auch Orientierung, Verantwortung und die Möglichkeit, Empathie zu entwickeln.
Verhalten ist oft Kommunikation und wie ich vor Tagen berichtet habe, steht hinter Aggression häufig Unsicherheit und hinter Rückzug oft Angst. Wenn vor allem Eltern und Pädagog:innen das verstehen, könn(t)en sie gemeinsam helfen, gesunde Beziehungen, statt verletzender Dynamiken zu entwickeln.
LG Günther