18. Mai 2026
Schulen: „Wir kümmern uns intern darum.“

Ein Satz von Schulen, der vernünftig klingt, denn Strukturen und Zuständigkeiten sind wichtig; und ja, Schulen verfügen über interne Unterstützungssysteme, die wertvoll sind. Aber was passiert in der Zeit dazwischen?
Wenn ein Kind über Wochen schikaniert, beleidigt, ausgelacht, ausgeschlossen oder körperlich bedrängt wird, erleben Eltern oft dieselbe Dynamik: Die Schule spricht von Gesprächen, Beobachtung, pädagogischen Maßnahmen, die Eltern sprechen von Angst, Schlaflosigkeit, Bauchweh und einem Kind, das nicht mehr in die Schule möchte: und beides ist gleichzeitig wahr.
Was mich nachdenklich macht ist, dass oft und sehr rasch über Prozesse und zu wenig über Schutz diskutiert wird, denn Mobbing ist kein „Konflikt unter Kindern“, den man einfach moderieren kann. Mobbing ist ein soziales Machtgeschehen. Es lebt von Wiederholung, Gruppendynamik, Schweigen und dem Gefühl des betroffenen Kindes, niemand könne es wirksam stoppen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht zuerst: „Welches System ist zuständig?“, sondern: „Was tun wir ab heute, damit dieses Kind sicher ist?“, denn akuter Schutz und nachhaltige Bearbeitung sind keine Gegensätze.
Ja, es braucht Gespräche, pädagogische Intervention, Klassenarbeit, interne Unterstützungssysteme, aber solange Schulen noch Zuständigkeiten sortieren, erlebt das betroffene jeden weiteren Schultag als Belastung.
Meine Erfahrung ist, dass Eltern schlich und einfach wollen, dass ihr Kind wieder sicher lernen kann, während Schulen helfen wollen: doch gute Absichten ersetzen keine klare Intervention. Schulen brauchen in solchen Situationen einen Perspektivwechsel: Weg von „Wir haben einen Prozess.“ Hin zu: „Das Kind erlebt gerade Not. Wie unterbrechen wir diese Dynamik sofort?“
Nicht böser Wille ist oft das Problem, sondern Vermeidung, Unsicherheit und institutionelle Langsamkeit. Eltern sind nicht schwierig, wenn sie Schutz einfordern, sondern schwierige Systeme machen Schutz oft schwierig: und Kinder zahlen dafür den Preis!
LG Günther