22. Mai 2026
Wieder zwei getötete Frauen in Österreich

Wieder wurden in Österreich zwei Frauen getötet. Wieder folgen Schlagzeilen, öffentliche Betroffenheit und politische Stellungnahmen, die sich erschreckend vertraut anhören. Seit Jahrzehnten erlebe ich dieses Muster: und ebenso lange macht es mich fassungslos.
Nach jedem solchen Verbrechen wird betroffen reagiert, als wäre es ein plötzliches Ereignis. Doch diese Gewalt ist weder überraschend noch ein bedauerlicher Einzelfall. Diese Gewalt ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Problems, das politisch seit Jahren verwaltet, relativiert und in seiner Komplexität nicht konsequent wahrgenommen wird.
Besonders schmerzlich ist für mich der Blick auf die Kinder. Denn mit jeder Frau, die durch Gewalt ihr Leben verliert, bleiben oft Kinder zurück, deren Welt in einem Moment zerbricht. Kinder, die Angst, Schreie, Demütigung und Ohnmacht erlebt haben. Kinder, die Gewalt nicht einfach „miterlebt“ haben, sondern von ihr tief geprägt und verletzt werden.
Gerade deshalb erschüttert mich die oberflächliche und beschämende Reaktion unserer Politiker:innen. Betroffenheit ist kein Schutzkonzept, Worte verhindern keine Gewalt und Pressekonferenzen ersetzen weder Prävention noch konsequentes Handeln.
Gewalt entsteht nicht aus dem Nichts. Sie wächst dort, wo Kontrolle, Ab- und Entwertung und Machtmissbrauch geduldet oder verharmlost werden. Und sie bleibt bestehen, wenn nicht endlich reale und wirksame Gewaltprävention und damit die Senkung der Risikofaktoren konsequent verfolgt wird.
Frauen brauchen Schutz, Kinder brauchen Schutz und die Österreicher:innen brauchen endlich mehr als ritualisierte politische Betroffenheit: wir brauchen entschlossenes Handeln, und zwar SOFORT!
LG Günther