4. Juni 2026
Handlungsfähigkeit statt Hilflosigkeit

Wenn Kinder unter Ausgrenzung, Konflikten oder Spannungen in der Gruppe leiden, geraten oft auch die Erwachsenen unter Druck. Eltern leiden mit ihrem Kind, Pädagog:innen fühlen sich verantwortlich, die Situation möglichst rasch zu lösen. Die Aufmerksamkeit richtet sich dann häufig auf die Frage: „Wie können wir verhindern, dass das Kind verletzt wird?“
Diese Frage ist verständlich. Gleichzeitig kann sie dazu führen, dass sich alle Beteiligten immer stärker auf das Problem konzentrieren und dabei ihre eigene Handlungsfähigkeit verlieren.
Kinder wachsen in sozialen Gruppen auf, die sie sich nicht aussuchen können. Kindergarten und Schule sind Zwangskontexte. Dort erleben Kinder Zugehörigkeit und Ablehnung, Freundschaft und Konflikte. Nicht jede schwierige Erfahrung lässt sich vermeiden. Entscheidend ist daher, wie Erwachsene darauf reagieren.
Handlungsfähige Erwachsene vermitteln Kindern drei Botschaften: „Ich sehe, dass es dir nicht gut geht, du bist nicht allein und ich traue dir zu, mit Unterstützung einen Weg zu finden.“ Kinder brauchen Mitgefühl, aber ebenso die Zuversicht ihrer Bezugspersonen.
Kinder entwickeln Selbstvertrauen nicht dadurch, dass Probleme verschwinden, sondern dadurch, dass sie erleben, Herausforderungen bewältigen zu können. Deshalb lohnt es sich, den Blick immer wieder auf Stärken, gelingende Beziehungen und Handlungsmöglichkeiten zu lenken.
Auch Pädagog:innen können viel dazu beitragen. Ihre Aufgabe besteht nicht nur darin, Konflikte zu lösen, sondern Gruppendynamiken aktiv zu gestalten. Kinder brauchen die Erfahrung, gesehen zu werden, dazuzugehören und etwas beitragen zu können. Wer Kooperation fördert und Stärken sichtbar macht, stärkt die gesamte Gruppe.
Das Ziel sollte daher sein, Kinder dabei zu unterstützen, soziale Kompetenz und Selbstwirksamkeit zu entwickeln, denn langfristig schützt die Erfahrung: „Ich kann etwas bewirken, ich finde Unterstützung und ich komme auch durch schwierige Situationen hindurch.“
LG Günther