8. Mai 2022

Kooperationen

Bei meiner täglichen gewaltpräventiven Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen und ganz besonders in Klassen und Schulen, sehe ich ein riesiges Defizit: Der politische Kooperationsauftrag mit anderen Behörden, Organisationen und Institutionen fehlt. Pädagog:innen sehen, hören und spüren Trends und ganz besonders Veränderungen bei einzelnen Kindern: Sie merken beispielsweise, wenn die Konzentration nachlässt, wenn die Noten schlechter werden, wenn Kinder aggressiver werden, wenn sie öfters fehlen oder plötzlich Angstzustände haben, uvm.

Doch was nützt es den betroffenen Kindern, wenn es keine gesetzlichen Kooperationen gibt? Wenn Unterstützung und Hilfe – wenn überhaupt – von einzelnen Personen oder informellen Kontakten abhängig ist? Wenn Pädagog:innen, Eltern und Schulen und die von Gewalt, Misshandlung oder Vernachlässigung betroffenen Kinder durch eine „Gefährdungsmeldung“ erst stigmatisiert werden müssen?

Diese professionelle Hilfe würde ich täglich bei meiner gewaltpräventiven Arbeit für einzelne Kinder benötigen, aber Kooperationen sind unter dem Deckmantel des Datenschutzes schlichtweg nicht möglich oder gewollt. Regelmäßig stelle ich mir die Frage: „Sind Kinder wirklich so wenig wertvoll?” Sie erleben so eine Sekundär Viktimisierung – das heißt, sie werden zuerst Opfer von Gewalt, Misshandlung oder Vernachlässigung und dann nochmals Opfer durch eine kinderverachtende Gesellschaft.

Liebe Grüße,

Günther