6. August 2021

Ein (d)heftiger Anruf

Gestern erreichte mich ein (d)heftiger Anruf eines Vaters zum Thema „Schule und Abmeldung“. Der Papa war laut und die Wortwahl am Beginn – sagen wir mal – unangemessen.

Nach seiner ersten Entrüstung wiederholte ich zusammenfassend und fragte nach, ob ich auch alles richtig verstanden habe (Inhalt und Meinung).

Der Vater schilderte mir jetzt die Geschichte der Familie und seines Sohnes und was ihn eigentlich an der „Gesamtsituation“ so störe und warum er plant, seinen Sohn von der Schule abzumelden!

Wir kamen so auch auf Formen von (Gewalt-)Prävention – Mobbing, Rassismus … – und die Erziehung zu sprechen. Ich konnte ihm dabei meine Sicht als Experte für Gewaltprävention und – wie mich viele nennen – als „Anwalt“ der Kinder – vermitteln! 

Gemeinsame Bedürfnisse berücksichtigen

Über diesen Weg kam ich auf die Erziehungshaltung „autoritative Erziehung“ als partizipative Form der Berücksichtigung von Bedürfnissen zu sprechen und fragte ihn, ob er seinen Sohn auch schon zur Schule gefragt habe.

Denn das würde bedeuten, auch die Bedürfnisse seines Sohnes zu berücksichtigen und dann erst unter Abwägung der Bedürfnisse des Sohnes – z.B. Freunde, Peergroup, soziale Medien, Kontakte, Zukunft … – und seiner eigenen – Sorgen, Ängste, Zorn, Hilflosigkeit … – zu entscheiden, ob Schule ja oder nein!

Er hatte seinen Sohn noch nicht gefragt, mit ihm noch nicht darüber diskutiert und daher auch noch nicht nach gemeinsamen Lösungen gesucht, versprach mir aber, das nachzuholen!

Mein Tipp an dich:

Bitte nimm in einer solchen „Auseinandersetzung“ niemand seine Emotionen weg, frage nach, ob du alles richtig inhaltlich verstanden hast und versuche die Person und ihr|sein Verhalten zu trennen; dann ist die erste Hürde zu einer Deeskalation schon geschafft!

Mein Ziel war – und sollte es auch für dich sein – den Einwand (seine Kritik) aufzugreifen und zu kontextualisieren (eine „Brücke“ zum Thema bauen) und seine Kritik nach dem Motto „Was ist das Thema hinter dem Thema“ zu verstehen; das ist nicht gleichbedeutend mit akzeptieren!

Diesen Umgang mit Emotionen und Respektlosigkeiten vermittle ich auch in meinen Fortbildungen!

Danke!

Ich bedanke mich bei diesem Vater, der mich 1. angerufen hat, 2. mir zugehört hat, der 3. auch bereit war neugierig und interessiert zu sein und der mir 4. versprochen hat, letztlich auch einen gemeinsamen Weg mit seinem Sohn zu finden und zu gehen!

Ich wünsche im Sinne von Marshall Rosenberg beiden, dass sie mit den Fragen „Was ist mir wichtig?“ bzw. „Was würde ich mir wünschen?“ einen gemeinsamen Weg finden, der letztlich ein „JA zur Schule“ und keinen Ausschluss des Buben von der so wichtigen Sozialisation mit Gleichaltrigen bedeutet!

LG Günther Ebenschweiger